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Die Geldvermehrung im Weltkriege und die Beseitigung ihrer Folgen : eine Untersuchung zu den Problemen der Übergangswirtschaft / von Robert Liefmann
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metallistische noch eine staatliche Geldtheorie zur Erklärung dieserErscheinungen genügen kann, sondern daß auch Kreditanspannung,wenn sie nicht auf im Tauschverkehr erzielten Erträgen beruht,dieselbe Wirkung hat.

Letzten Endes müssen alle bedeutenderen Einkommensteige-'rungen und Einkommenverschiebungen in der Volkswirtschaft preis--steigernd wirken. Der Staat hat daher alle Veranlassung, sie inkritischen Zeiten möglichst zu verhindern. Davon hat man bei unsbisher auf Grund ungenügender Einsicht der Wissenschaft in denMechanismus des Tauschverkehrs gar keine Vorstellung gehabt.Die Militärverwaltung hat schon bei Abschluß von Verträgen vordem Kriege vielfach übermäßig hohe Preise bewilligt, Kantinen-wirte an den Bahnhöfen haben, um nur ein Beispiel anzuführen,auf Grund übermäßig hoher Preise, die ihnen bewilligt wordenwaren, in wenigen Wochen Kunderttausende verdient; man hatvielfach übermäßig hohe Gehälter gewährt und dann auch weiter-hin nichts getan, um starke Einkommensteigerungen und -Verschie-bungen zu verhindern. Die künstliche Kaufkraft, die sich der Staatdurch Kreditinanspruchnahme bei der Notenbank schuf, hat dannbei den Lieferanten, die er in dieser Weise bezahlte, weitergewirktund hat zu den lächerlich hohen Preisen aller Luxusgüter, der un-gesunden Spekulation in Effekten, Altertümern, Juwelen, Brief-marken usw. geführt, die überall zu verzeichnen ist. Alles das isteingetreten unabhängig von der Steigerung der Preise durchMangel an Rohstoffen und Arbeitskräften, hat aber dann diesenHauptgrund der Preissteigerungen in seiner Wirksamkeit nochverstärkt.

Wenn Luxusgüter und Effekten in solchen Zeiten wirtschaft-licher Erschütterungen wie im Kriege im Preise steigen, so ist dasimmer ein Zeichen ungünstiger Einkommensverschiebungen und derBereicherung einzelner Gruppen und Klassen aus diesen Verhält-nissen, unter denen die große Mehrheit des Volkes stark leidet.Das hätte man eigentlich schon längst einsehen und es als eine derwichtigsten Aufgaben des Staates im Kriege erkennen können,darin mit aller Energie einzugreifen. Die Behauptung mancherSchriftsteller, daß die Kapitalbildung nicht gehindert werden dürfe,wirkt demgegenüber geradezu wie Äohn auf jede Einsicht in diewirtschaftlichen Zusammenhänge. Die Ausdehnung der Spekulation,die Preissteigerungen z. B. für Effekten, aber auch für alle Arten82