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Die Geldvermehrung im Weltkriege und die Beseitigung ihrer Folgen : eine Untersuchung zu den Problemen der Übergangswirtschaft / von Robert Liefmann
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Geldwesens", eine Erwiderung auf LiefmannsGeld und Gold",Weltwirtschaftliches Archiv", Juni 1917, S. 186, in dieser Fragezu dem Schlußergebnis kommt, der Staat habe die Aufgabe,dieAusgabe von Geldzeichen in gewissen Schranken zu halten, umdie Entstehung von Mißtrauen zu verhüten. Soweitaber die hierdurch gezogenen Grenzen nicht überschritten werden,darf für die Ausgabe von Geld lediglich der Bedarf des geschäft-lichen Verkehrs maßgebend sein." Man erkennt jetzt, daß damitnicht im geringsten eine Handhabe für die notwendige Geldschöpfung,sondern im Gegenteil dem Staate ein Mittel gegeben ist, um dieSchaffung künstlicher Kaufkraft für seine Zwecke mit einer solchenanscheinend plausiblen Begründung zu verschleiern. Denn wirsahen, daß dieserGeldbedarf" auch durch Kreditanspannung be-friedigt werden kann, und es ist daher ein logischer Widersinn,wenn Nominalisten wie Keyn den Geldbedarf des Verkehrs für dieGeldvermehrung entscheidend sein lassen wollen.

Etwas ganz anderes ist aber ein plötzliches Fehlen gewisserMünzsorten im Kleinverkehr. Die großen Llmsätze werden nur ver-rechnet, und sofern dabei doch Zahlungsmittel gebraucht werden,schafft der Verkehr sie sich selbst. Diese Amsatz- oder Verrechnungs-mittel sind daher eine außerordentlich elastische Größe, und gar imSinne der abstrakten Rechnungseinheit ist ein bestimmterGeld-bedarf" in der Volkswirtschaft überhaupt nicht festzustellen. ImKleinverkehr aber kann ein Mangel an realen Zahlungsmittelnvor allem in Kriegszeiten entstehen, wenn solche thesauriert werden,ihr Zirkulationsgebiet sich erweitert, infolge von Änderungen in denZahlungsgewohnheiten mehr in bar bezahlt wird oder wenn in-folge der Preissteigerungen mehr Zahlungsmittel für die Ver-mittlung der Amsätze erforderlich sind. Es handelt sich dabei aberschon nicht mehr um 106- oder gar 1666-Markscheine, sondernvor allem um die Scheidemünze, die kleinsten Zahlungsmittel desVerkehrs. Ihr Mangel kann Unbequemlichkeiten im Gefolgehaben, die sich sehr allgemein bemerkbar machen, aber in denöffentlichen Erörterungen darüber und auch in der wissenschaft-lichen Behandlung wird die Wichtigkeit der Frage gewaltig über-trieben.

In Deutschland freilich gewann im Weltkrieg diese Frage eineBedeutung, wie es sonst nicht leicht wieder vorkommen wird. Denndurch den gewaltigen Amfang der von uns besetzten Gebiete gingen86