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Die Geldvermehrung im Weltkriege und die Beseitigung ihrer Folgen : eine Untersuchung zu den Problemen der Übergangswirtschaft / von Robert Liefmann
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im verstärkten Maße geltend. Darauf sind, auch ganz unabhängigvom Goldzufluß und der Vermehrung der realen Zahlungsmittel,die Preissteigerungen in den neutralen Ländern, vor allem aberin Amerika in den beiden ersten Iahren des Weltkrieges zurückzu-führen. Auch davon hat der Geldfchöpfungsmann Bendixen, weiler von Preistheorie nichts wissen will, gar keine Vorstellung. Erführt die Preissteigerungen in Amerika auf die Vermehrung derrealen Zahlungsmittel, Geld und Banknoten, zurück, wobei er be-tont, daß die Vermehrung der letzteren nicht auf der Grundlagevon exportierten Waren, sondern nur im Zusammenhang mit einerinländischen Warenvermehrung erfolgen darf. Wir wissen aberjetzt, daß auch das ganz unzutreffend ist und im Banne der mate-rialistischen Quantitätstheorie steht, daß es vielmehr nur auf dieErträge und ihre Vermehrung ankommt, denen eine Vermehrungder realen Geldmenge entsprechen darf. Aber es ist klar, daß einestarke Steigerung der Erträge und Einkommen um so mehr preis-steigernd wirkt, wenn sie aus exportierten Waren stammen. Denndiese beruhen nicht auf Bedarfsbefriedigung im Jnlande, lassenalso den ganzen inländischen Bedarf frei und verstärken ihn noch,indem sie zu den aus der inländischen Bedarfsversorgung erzieltenErträgen hinzutreten. Es kann durch solchen Export, wenn ergroßen Amfang annimmt, und daraufhin erzielte Gelderträge derenge Zusammenhang von Bedarfsbefriedigung, Preisen und Ein-kommen im Jnlande gestört werden, den zu erkennen Voraussetzungjeder Erörterung der Geldprobleme ist.

Dabei zeigt sich wieder, wie sehr alle wirtschaftlichen Vor-gänge letzten Endes von der individuellen Bedarfsbefriedigungabhängen und wie man sie nur mit einer individualistischenTheorie richtig verstehen kann. Wenn das Ausland seinen Im-port auch wieder in Waren bezahlt hätte, was in normalenZeiten ja letzten Endes und auf die Dauer immer der Fall seinwird, ^ wäre im Exportlande keine Preissteigerung eingetreten.Aber die kriegführenden Staaten mußten Amerika eben in Goldoder in amerikanischen Forderungen bezahlen. Worin das ge-schah, bleibt sich für die Preisbildung ziemlich gleich, weil ebenüberhaupt nicht die realen Zahlungsmittel, sondern die Ein-kommen die Güter kaufen. Nur insofern konnte die Goldzufuhreine größere Preissteigerung bedeuten, als man daraufhin einMehrfaches an Banknoten (in Amerika ist 40°/gige Golddeckung

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