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Die Geldvermehrung im Weltkriege und die Beseitigung ihrer Folgen : eine Untersuchung zu den Problemen der Übergangswirtschaft / von Robert Liefmann
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Verpflichtungen an das Ausland, nie aber auf die inländischen Preis-steigerungen zurückgeführt. In drastischen Äußerungen einfluß-reicher Geldpolitiker und -theoretiker sind diese Irrtümer und dieÜberschätzung der Golddeckung zum Ausdruck gekommen. Schulddaran, daß die maßgebenden Personen eine so geringe Einsicht inden Mechanismus des Tauschverkehrs und der Preisbildung gehabthaben, ist aber allein die ökonomische Wissenschaft, die eben in derErklärung volkswirtschaftlicher Zusammenhänge wegen der An-Vollkommenheit ihrer theoretischen Grundlagen völlig versagte.

Die Kauptaufgabe für die Aufrechterhaltung unserer Valutawar natürlich eine einheitliche Regelung des Devisenverkehrs.Sie ist viel zu spät und auch jetzt noch nicht energisch genug zurDurchführung gebracht worden. Denn mit derartigen Maßregelneiner durchgreifenden Kontrolle des Zahlungsverkehrs mit dem Aus-lande kann man wohl bestenfalls ein weiteres Sinken der Valutaverhüten, nicht aber, nachdem sie einmal sehr tief gesunken ist, siewieder heben. Aber nicht einmal ersteres hat man mit unserenDevisenordnungen zu erreichen vermocht, weil sie eben teils un-zureichend waren, teils nicht streng genug interpretiert und durch-geführt wurden. Da ich mich besonders eingehend mit diesen Dingenbeschäftigt habe, sie aber noch gar nicht wissenschaftlich behandelt,jedoch zur Kenntnis unseres Zahlungswesens im hohen Maßeinteressant sind, sei hier darauf etwas näher eingegangen.^)

Bis Anfang 1916 geschah gar nichts, um den Kurs der deutschenValuta im Auslande zu stützen. Zwar ist zur Bezahlung der Ein-fuhr auch Gold ins Ausland gegangen in einem Llmfange, der viel-leicht nahe an 1 Milliarde Mark heranreicht. Aber es ist das sicher-lich nicht die zweckmäßigste Art der Verwendung des Goldes ge-wesen. Hätten wir es rechtzeitig verpfändet und zur Grundlagegroßer Kredite gemacht, so hätten wir viel mehr damit erreichenkönnen. Wenn in diesem Zeitraum, wie die Tabelle im zweitenKapitel zeigt, der deutsche Wechselkurs in der Schweiz verhältnis-mäßig nur wenig gefallen ist, bis September 1915, also in denersten 12 Kriegsmonaten nur von 123 auf 109,5, und erst im De-zember dann auf 99, so lag das daran, daß trotz aller auf ein Sinkenhinwirkender Momente damals noch ein großer Export aus den

i) Die folgenden Ausführungen sind auch in meinem Aufsatz:DieValutarückgänge im Weltkriege, ihre Ursachen nnd die Mittel zu ihrerAbhilfe, imWeltwirtschaftlichen Archiv", Dezember 1917, enthalten.

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