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Die Geldvermehrung im Weltkriege und die Beseitigung ihrer Folgen : eine Untersuchung zu den Problemen der Übergangswirtschaft / von Robert Liefmann
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gewaltigen, in der Friedenszeit aufgestapelten Vorräten der ver-schiedensten Waren vorhanden war, und daß ferner eine sehr erheb-liche Ausfuhr von ausländischen Effekten stattfand, die, von derRegierung gefördert, damals, zumal sie verzettelt und nicht ein-heitlich benutzt wurde, uns viel weniger nützte, als das später derFall hätte sein können. Wie im ersten Kriegsjahre überhaupt anallen unseren Kräften und Mitteln Raubbau getrieben wurde, weilman glaubte, daß das im Kriege nicht anders sein könne und mannicht an eine so lange Kriegsdauer dachte, so auch auf diesemGebiete.

Aber schließlich war das alles nicht ausreichend, die auf dasFallen unserer Valuta gerichteten Tendenzen zu entkräften. Dazugehörten Baissespekulationen, die von gewissenlosen Spekulantenin unserer Währung im Auslande gemacht und durch nichts ge-hindert wurden; der Einkauf von Luxusgütern im Auslande, selbstwenn der Import gehindert war; sollen doch im Jahre 1916 für37 Millionen Franken Edelsteine aus der Schweiz nach Deutsch-land und Österreich gegangen sein, und auch aus Äolland wurdevon großen Ankäufen deutscherseits in Brillanten und Perlensowie von Effektenspekulationen berichtet. Ferner war die Ver-bringung von deutschen Vermögen ins Ausland in keiner Weisegehindert, auch z. B. so, daß Exporteure ihr Guthaben im Aus-lande einfach stehen ließen oder in jeder beliebigen Weise darüberverfügen konnten.

Änter dem Einfluß des Sinkens unserer Valuta gingen vieledeutsche Exporteure dazu über, sich nur in der ausländischenWährung bezahlen zu lassen; auch von den Transportanstalten,z. B. den badischen Staatsbahnen, wurde das berichtet. ' Wenndadurch der einzelne Exporteur auch das Valutarisiko für sich aus-schaltete, so bedeutete dieses Verfahren doch keineswegs eine Stützeder deutschen Valuta. Da vielmehr doch immer große Mark-forderungen des Auslands vorhanden waren, bewirkte es, daßihnen keine Nachfrage nach deutschen Zahlungsmitteln gegenüber-stand und so oft ein verhältnismäßig ganz unbedeutendes Angebotden Kurs stark drücken konnte. Diesen Amstand machte sich dannauch das feindliche Ausland zunutze, indem es ihm möglich war,mit verhältnismäßig ganz geringen Mitteln einen erheblichen Kurs-sturz der Mark herbeizuführen. Namentlich in Amerika ist in dieserWeise gegen die deutsche Valuta operiert worden. Eine Wieder-

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