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Die Geldvermehrung im Weltkriege und die Beseitigung ihrer Folgen : eine Untersuchung zu den Problemen der Übergangswirtschaft / von Robert Liefmann
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stimmung zu erfreuen hatten" und nirgends als falsch erwiesen unddurch bessere ersetzt werden konnten.

Daß man in Deutschland dann bald im Wege der Anleihen aufdie verfugbaren Erträge und umlaufenden Kapitalien der Volkswirt-schaft zur Bestreitung der Kriegskosten zurückgriff, war ein großerGlücksfall, ohne den die Preissteigerungen im Inlands und vor allemauch der Kursrückgang unserer Valuta im Auslande noch vielschneller eingetreten wären. Wenn man aber im ganzen nicht sovöllig im Banne der alten Schablone der Geld- und Finanzwirt-schaft des Friedens und ihrer von England überkommenen Ideengewesen wäre, so hätte man sich wohl auch die Frage vorgelegt,ob man nicht die Reichsbank bei Aufbringung der Kriegskostenhätte entbehren können. Namentlich anfangs, als die Ergebnisseder Anleihen noch für die Kosten ausreichten, trotzdem von spar-samer Wirtschaft wohl nie die Rede gewesen sein kann, wäre zuerwägen gewesen, ob nicht die Anleihen, die vom deutschen Publikumim Gegensatz zu dem anderer Länder, aber in richtiger politischerund wirtschaftlicher Einsicht so bereitwillig genommen wurden,direkt bzw. nur unter Mitwirkung der privaten Banken hättenuntergebracht und die Reichsbank hätte ausgeschaltet werdenkönnen. Soweit die betreffenden Summen schon vorweg aus-gegeben worden wären, hätten die Finanztratten des Reichs wohlauch bei den privaten Banken und Kapitalisten untergebrachtwerden können. Damit wären noch schneller die verfügbaren Er-träge und Kapitalien für die Kriegszwecke nutzbar gemacht wordenund eine Schaffung künstlicher Kaufkraft vermieden worden.

Später freilich, als die Kriegskosten für 1917 auf über 40 Mil-liarden Mark anschwollen, während die beiden Anleihen nur etwa23 Milliarden Mark einbrachten, war eine solche Konsolidierungder Kreditwirtschast des Reiches nicht mehr möglich. Da bliebnur, wenn man die Kosten nicht einschränken konnte, wofür es aneiner entscheidenden Instanz fehlte, entweder der Weg der Steuern,der, wenn er auch nicht ausreichende Summen herbeigeschafft hätte,doch auch in größerem Amfange hätte benutzt werden müssen, odernur der der Schaffung künstlicher Kaufkraft. Daher dieZunahme der Finanzwechsel bei der Reichsbank, das An-wachsen der Banknoten und der Darlehenskassenscheine.

Wir müssen nun auf das dringendste davor warnen, daß einweiteres Anschwellen dieser Mittel der Kriegsfinanzierung ge-142