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Die Geldvermehrung im Weltkriege und die Beseitigung ihrer Folgen : eine Untersuchung zu den Problemen der Übergangswirtschaft / von Robert Liefmann
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1914/15, von dem ein Drittel noch in die Friedenszeit fiel, betrugdie Zahl der Einkommensmillionäre in Preußen 91, imZahre 1916/17 134!

Darüber kann kein Zweifel sein, daß dem Reiche auf demWege der Anleihen längst nicht alles, was ihm für die Kriegs-finanzieruug zur Verfügung gestellt werdeil könnte, tatsächlich zu-fließt, nicht einmal alle zur Kapitalbildung verfügbaren Einkommens-teile. Da nun die so durch Anleihen beschafften Summen längst nichtmehr zur Bestreitung der Kriegsausgaben ausreichen, hätten schonlange Steuern in größerem Amfange als Ergänzung eingeführtwerden müssen und die Beschaffung der Mittel durch Kreditanspan-uung, mit oder ohne Benutzung der Noteilpresse, in größeremMaße vermieden werden müssen.

In erster Linie kommt da die Kriegsgewinnbesteuerungim weitesten Sinne in Betracht, d. h. die möglichst vollständigeErfassung aller im Kriege gestiegenen Einkommen undVermögen. Sie sollte die Grundlage jeder Wirtschaftspolitikim Kriege sein, welche ihre Aufgaben richtig erkennt. Prinzipiellkönnte dabei sehr wohl der Satz aufgestellt werden, daß jeder iniKriege sich vollziehende Einkommens- oder Vermögenszuwachsvollkommen dem Staate gehöre. Dies nicht so sehr aus sozialenoder moralischen Gründen, welche man bisher bei der Kriegs-gewinnbesteuerung allein geltend gemacht hat, obgleich natürlichauch sie ins Gewicht fallen, als vielmehr, weil es ganz einfach diewichtigste wirtschaftliche Aufgabe im Kriege ist, starke Preis-steigerungen zu verhindern, was, wie wir jetzt wissen, nurdurch Verhinderung von Einkommenssteigerungen möglich ist.Dies klar zu erkennen ist von der allergrößten Wichtigkeit. Diegroße Literatur über die Kriegsgewinnbesteuerung zeigt aber, daßman von dieser Aufgabe derartiger Steuern gar keine Ahnung ge-habt hat.

Praktisch ist es natürlich nicht unbedingt erforderlich und wohlauch kaum durchführbar, daß die Kriegssteuern das ganze ge-stiegene Einkommen oder Vermögen für den Staat konfiszieren.Aber eine sehr starke Progression, die bei hohen Einkommen undVermögen und starken Steigerungen auch vor deu höchsten Prozent-sätzen bis nahe an 1Ot>°/o nicht haltmacht, ist nicht nur gerecht,sondern auch ohne Zweifel für die Volkswirtschaft und die Stabilitätder Preisbildung in ihr heilsam. Das hat man nicht erkannt und144