eine Vermögensabgabe nach dem Kriege gemacht wurden, beruhendarauf, daß die bisherige Wirtschafts theorie und erst recht natürlickdie Finanzwissenschaft noch gar kein Verständnis dafür hatten,wie durch starke Einkommensteigerungen und -Verschiebungen diePreise vieler Güter in die Äöhe getrieben werden und wie ungünstigdiese Preissteigerungen trotz anscheinender Zunahme des Reich-tums auf die Volkswirtschaft, besonders auch auf den Zahlungs-verkehr dem Auslande gegenüber einwirken. Man hat jene finan-zielle Maßregel mit dem höchst oberflächlichen Äinweis. be-kämpfen zu können geglaubt, daß nach dem Kriege eine verstärkteKapitalbildung nötig sei. Man hat aber, obgleich ich die grund-legenden Gesichtspunkte zur Entscheidung dieser Frage schon1913 in meinem Aussatz: „Theorie des Sparens und derKapitalbildung" in Schmollers Jahrbuch niedergelegt habe,nicht erkannt, daß Konsum und Kapitalbildung in einem gewissenProportionalverhältnis zueinander stehen müssen, in dem ich dannüberhaupt das Wesen aller Wirtschaft erkannt habe und das manauch auf eine ganze „Volkswirtschaft" anwenden kann. Man hatferner nicht erkannt, daß es nicht gleichgültig ist, in welcher Weisedie großen Einkommen erzielt werden, die man zur Verstärkungder Kapitalbildung als erwünscht ansieht.
Die Kapitalbildung nach dem Kriege zu fördern ist allerdingseine sehr wichtige Aufgabe, aber sie wird nicht in der Weise erfüllt,daß man einzelne Einkommen übermäßig steigen läßt, sondernzweierlei Gesichtspunkte kommen dabei in Betracht: Einschränkunggewisser Arten des Konsums und Sorge für eine günstige Ein-kommensverteilung.
1. Betrachten wir zunächst die notwendige Konsumein-schränkung näher. Sie ist auch nicht unbedingt wünschenswert,wie heute von manchen behauptet wird, die die Konsumeinschränkungnach dem Kriege schlechthin empfehlen. Sie verkennen, daß esohne Konsum kein Einkommen und damit auch keine Vermehrungder Kapitalbildung gibt und daß es daher immer Aufgabe derWirtschaftspolitik sein muß, möglichst vielen Erwerbstätigen eineEinkommenserzielung zu ermöglichen. Sondern die Einschränkungdes Konsums ist für die Volkswirtschaft in diesem Falle nützlich nur:
a) bezüglich des Luxuskonsums, wobei über die Abgrenzungdieses Begriffs natürlich Meinungsverschiedenheiten entstehen kön-nen. Es handelt sich vor allem dämm, daß mindestens alle größeren146