Druckschrift 
Die Geldvermehrung im Weltkriege und die Beseitigung ihrer Folgen : eine Untersuchung zu den Problemen der Übergangswirtschaft / von Robert Liefmann
Seite
154
Einzelbild herunterladen
 

Reichsamt des Innern und das Reichsschatzamt, am besten auchein neu zu errichtendes Reichswährungsamt, zusammenwirken.

Die ganze Sorge für die Kapitalbildung nach dem Kriege,um das Wirtschaftsleben wieder in Gang zu bringen, ist aber nurein Teil der größeren Aufgabe, der Hauptaufgabe der Über-gangswirtschaft, wieder zu niedrigeren Preisen zu ge-langen. Die übermäßig hohen Preise der meisten Güter, wie siedurch die Absperrung vom Weltmarkte, den Rohstoff- und Arbeiter-mangel und dann durch die Geldvermehrung bzw. durch die Ein-kommensteigerungen herbeigeführt worden sind, müssen möglichstbald wieder herabgehen. Das kann natürlich nur langsam ge-schehen, und zu den früheren Preisen werden wir wohl in abseh-barer Zeit nicht wieder, wegen der allgemeinen, auf Preiserhöhungenhinzielenden Tendenzen vielleicht nie wieder gelangen. Aber esmuß alles getan werden, um ein Aufrechterhalten dergegenwärtigen hohen Preise zu verhindern und einSinken herbeizuführen.

Dabei spielt die Verminderung der umlaufendenZahlungsmittel nur eine ganz bescheidene Rolle. Wir wissenjetzt, daß es eine äußerst wichtige Aufgabe ist, im Kriege das bis-herige Preis- und Einkommensystem möglich aufrechtzuerhalten, dasnicht nur durch Geldvermehrung, sondern auch durch starke Ein-kommens- und Vermögensverschiebungen erschüttert werden kann.Aber wenn eine solche Preissteigerung eingetreten ist, so wird siedurch eine Verminderung des Llmlaufs an Zahlungsmitteln nochnicht aus der Welt geschafft, ebensowenig ivie sie allein durch ihreVermehrung entstanden ist. Mit der Verminderung der Zahlungs-mittel wäre vielmehr nur dann etwas gewonnen, wenn dadurch diekünstlich geschaffenen Einkommen wieder beseitigt würden, wasnatürlich nicht ohne weiteres anzunehmen ist. Die Geldvermehrungbzw. Verschlechterung hat ihre unheilvollen Wirkungen ausgeübt,und diese verschwinden nicht ohne weiteres, wenn die Zahlungs-mittel zu den Banken zurückströmen. Diese Noten bleiben eineSchuld der Bank und können nur durch der Bank übertragenesonstige Kaufkraft, also durch im Tauschverkehr erzielte Erträgeund Einkommen, die ihr zur Verfügung gestellt werden,, aus derWelt geschafft werden. Insofern das geschieht, wird eine Ver-minderung des Notenumlaufs in der Tat preismindernd wirken.Es ist das aber natürlich nur mittels Steuern und Anleihen möglich,154