Druckschrift 
Die Geldvermehrung im Weltkriege und die Beseitigung ihrer Folgen : eine Untersuchung zu den Problemen der Übergangswirtschaft / von Robert Liefmann
Seite
155
Einzelbild herunterladen
 

die für diese Zwecke verwandt werden. Ob es nach dem Friedenmöglich und nötig ist, sich dafür Gelder zu beschaffen, kann heutenoch nicht mit Sicherheit gesagt werden. Daß jedenfalls eine starkeBesteuerung aller Einkommensteigerungen und eine starke einmaligeVermögensabgabe mit besonderer Belastung aller gestiegenenVermögen auch in dieser Hinsicht nötig ist, haben wir schon betont.

Wenn auf diese Weise Zahlungsmittel zu den Banken, denDarlehenskassen und an das Reich zurückströmen, können sie eventuellzur Kreditgewährung unter den oben bezeichneten Voraussetzungenverwendet werden. Ob eine besondere Aktion nötig sein wird, nmeine Überschwemmung der Banken mit Zahlungsmitteln aufzu-nehmen, bin ich außerstande vorauszusagen. Es wird das wesent-lich von der Art der Räumung der von uns besetzten Gebiete, vonder Schnelligkeit der Rückkehr unserer Truppen u. dgl. abhängen.Irgendwelche rigorose Maßregeln zur Einschränkung des Amlaufsvon Zahlungsmitteln, etwa im Sinne der noch herrschenden, ganzmaterialistisch aufgefaßten Quantitätstheorie, sind verkehrt. Abernatürlich sind sie unter keinen Amständen weiter zu vermehren.Die Darlehenskassenscheine, eine unter allen Umständen falscheGeldschöpfung, weil man nicht einfach auf beliebige Werte Zah-lungsmittel ausgeben darf, sollten aber allmählich verschwinden.Sie und die frühere Goldzirkulation wären zu ersetzen durch ei«Staatspapiergeld in festem umlaufendem Betrage, während dieBanknoten das bewegliche Element in der Währung darzustellenbärten. Davon soll im letzten Kapitel noch die Rede sein.

Von ungeheurer Wichtigkeit und vielleicht dicHauptaufgabe der Übergangswirtschaft ist aber, daßder Staat Versuchen, die bisherigen hohen Preiseaufrechtzuerhalteu, mit aller Energie entgegentritt.Gerade nach solchen Zeiten der Preisumwälzungen,, wie wir siejetzt erlebt haben, ist das Bestreben der verschiedenen Erwerbs zweige,durch Monopolbildungen die ihnen günstigen hohen Preise bei-zubehalten, groß, die freie Konkurrenz als Regulationsprinzip derPreise also ganz besonders unentbehrlich. Der Staat kann hierviel tun, weil er ja schon lange in die Preisbildung eingreifen,Höchstpreise festsetzen mußte und weil er ja noch für längere Zeit durchRohstoffverteilung, Einfuhrerlaubnis, Kapitalgewährung u. dgl.die meisten Industrien in der Äand hat. Diese Sorge für Preis-herabsetzungen muß sich aber vor allem auch auf die landwirt-

155