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Die Geldvermehrung im Weltkriege und die Beseitigung ihrer Folgen : eine Untersuchung zu den Problemen der Übergangswirtschaft / von Robert Liefmann
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schaftlichen Produkte erstrecken. Eine Überwachung der ge-samten Preisbildung ist daher die wichtigste Aufgabe derBehörden, denen die Älbergangswirtschast übertragen ist. Ich seheaber noch nicht, daß man sich dieser Aufgabe überhaupt bewußtgeworden ist. In einer Denkschrift des österreichischen Kommissarsfür die Älbergangswirtschast, die in der ZeitschriftMitteleuropa "abgedruckt wurde, war von diesen Aufgaben nicht die Rede, undauch in Deutschland ist dieser Frage bisher viel zu wenig Beachtunggeschenkt und ihre Entscheidung vorbereitet worden. Es ist aberklar, daß das Aufgaben sind, die von langer Kand vorbereitetwerden müssen, da sie nur in engster Fühlung mit den betreffen-den Erwerbszweigen selbst zu lösen sind. Das Reichsamt für Über-gangswirtschaft hat bisher, soviel man hört, sehr wenig geleistet, inerster Linie deshalb, weil es an den erforderlichen Gesichtspunkten,an der klaren Einsicht in die wirtschaftlichen Bedürfnisse fehlt. Mansorge beizeiten dafür, daß die wirtschaftliche Friedensvorbereitungnicht noch schlechter werde, als die für den Krieg es war.

Bei der Aufgabe des Staates, im Inlands wieder auf mög-lichste Herabsetzung der Preise hinzuwirken, ist die Herabsetzungder Arbeitslöhne das schwierigste und auch in sozialer Äinsichrbedenklichste Problem. Vielleicht wird aber gerade hier ein Ein-greifen des Staates am wenigsten nötig sein, weil sie sich durch dieKonkurrenz, zunächst bei den ungelernten Arbeitern, von selbst voll-ziehen wird. Bei den festgeschlossenen Gewerkvereinen der ge-lernten Arbeiter, wenn sie einen nurrierus clausus zur Durchführungbringen und an den heutigen, für manche Berufe exorbitant hohenLöhnen festhalten wollten, wird man aber eventuell vor staatlichenEingriffen ebensowenig zurückschrecken dürfen wie bei den Kar-tellen der Unternehmer. Auch hier hat der Staat die wichtigeund schwierige Aufgabe, daß nicht im privaten Gewinninteresscdie Preise in einzelnen Erwerbszweigen übermäßig hoch gehaltenwerden. Man muß dabei berücksichtigen, wovon die bisherigeWissenschaft mit ihrer sog. Preistheorie und daher auch natürlichdie Praxis gar keine Vorstellung hatte, daß alle Preise allerGüter in Zusammenhang stehen. ^) Daher muß man überall

') Die bisherige Wirtschaftstheorie kannte, wie die neuesten Lehrbüchernoch beweisen, entsprechend ihrem materialistischen Charakter nur den Zu-sammenhang der Preise zwischenproduktionsvernxmdten", d. h. aus den-selben Rohstoffen hergestellten Gütern!156