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Die Geldvermehrung im Weltkriege und die Beseitigung ihrer Folgen : eine Untersuchung zu den Problemen der Übergangswirtschaft / von Robert Liefmann
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der Gründe anschließen, welche für die Beibehaltung bzw. dieWiedereinführung der Goldwährung beigebracht werden. Wirkönnen sie in fünf Gruppen einteilen: 1. Die Gefahr von Miß-bräuchen des Staates bei reiner Papierwährung. 2. Die Valutaist nicht stabil zu halten. 3. Die Kostspieligkeit der Goldwährungist nicht von erheblicher Bedeutung. 4. Die Abkehr von ihr könnenwir nicht einseitig vornehmen. 5. Wir dürfen uns nicht außerhalbder auf der Goldwährung beruhenden internationalenZahlungs-gemeinschaft" stellen.

1. Von verschiedenen Seiten wird betont, die Papier-währung gäbe keine Sicherheit gegen Mißbräuche vonfeiten des Staates. Dabei wird natürlich mit Behagen aufzahllose Beispiele aus der Geldgeschichte hingewiesen, daß dieRegierungen in kritischen Zeiten regelmäßig die Notenpresse be-nützt haben, um sich neue Einnahmequellen zu verschaffen. Mitder Papierwährung, so sagt man, werde die ganze Gestaltung derPreise in die Kände derjenigen gelegt, die die politische Macht inKünden haben, die Abhängigkeit des Geldwesens von politischenInteressengruppen sei aber unerträglich.

Diese Auffassung hat eine gewisse Berechtigung einer be-stimmten nominalistischen Theorie gegenüber, der sog. staatlichenTheorie Knapps, welche das Geld nur als einGeschöpf derRechtsordnung" auffaßt und demgemäß bei ihrer praktischen An-wendung, vor der sich allerdings Knapp selber immer wohlweislichgehütet hat, den Einfluß des Staates auf das Geldwesen über-treiben nmß. So will z. B. einer seiner Anhänger, AlfredSchmidt -Essen:Nationale Währungspolitik. Los vonEngland!" (Dresden und Leipzig 1917)den Staat an Stell.'des Edelmetalls in den Mittelpunkt der Betrachtung des Geld-wesens rücken", weilKnapp die politischen und administrativeilGrundlagen des heutigen Geldwesens nachgewiesen habe", und erverlangt daraufhin einenationale Währungspolitik"! Aber dieFunktionen des Geldes im Mechanismus des Tauschverkehrs, diees zu erkennen gilt, lassen sich mit der Berufung auf den Staatniemals, sie lassen sich nicht politisch und administrativ, wie derHistoriker Knapp es versuchte, sondern sie lassen sich nur ökonomischerklären, wozu sich bei Knapp nicht die geringsten Ansätze finden.Ferner aber hat die Einwirkung des Staates auf das Geld so oft,und in mancher Hinsicht auch noch im Weltkriege, infolge un-186