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Die Geldvermehrung im Weltkriege und die Beseitigung ihrer Folgen : eine Untersuchung zu den Problemen der Übergangswirtschaft / von Robert Liefmann
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werden dann vielleicht unsere 2 Milliarden Mark Gold gar nichtmehr ganz los werden denn wenn es nicht mehr zu Währungs-zwecken verwendet wird, wird erst recht eine Äberschwemmung mitGold eintreten, aber das schadet nicht allzu viel, England undNordamerika werden dann ihre jährliche Goldproduktion vonnahezu dem gleichen Betrage ebenfalls nicht los werden. Der Preisdes Goldes wird sehr stark fallen, weil er ja nur dadurch trotzbeliebiger Produktion so hoch und so stabil gehalten wurde, daßdie Goldproduktionsländer in der Lage waren, überallhin beliebigviel abzusetzen. Wie in so vielen Fällen bei den Beziehungen derVölker kommt es auch hier nur auf energisches und zielbewußtesAustreten an.

4. Damit ist auch ein anderer Einwand erledigt, daß wir zurAbschaffung der Goldwährung" ein Einverständnismit den anderen Staaten, einenAntigoldbund" her-beiführen müßten. Ich halte das für ganz unnötig. Das Bei-spiel Deutschlands , das in diesem Kriege so viele Beweise seinerStärke gegeben und so viele neue Aufgaben gelöst hat, wird genügen,um viele Staaten in dieser ganz harmlosen Maßregel der Ein-stellung der freien Prägung zur Nachfolge zu veranlassen. Damuist aber schon die erste Bresche in den internationalenGoldwahn"geschlagen und die widersinnige, nur englischem Interesse dienendeBestimmung beseitigt, die es den Goldproduktionsländern ermög-licht, beliebig viel Gold überall abzusetzen. Deshalb geben wir jadas Beispiel, obwohl wir zunächst unserer gesunkenen Valutawegen keine Gefahr laufen, weiter mit Gold überschwemmt zuwerden. Aber wir wollen den anderen Staaten zeigen, die es imKriege immer noch nicht gelernt haben, daß das auch nicht in ihremInteresse liegt. And da sie doch auch schon Beispiele von neutralenStaaten vor Augen haben, werden sie sich energischer als bishergegen das weitere Einströmen von Gold sträuben.

Wir brauche,! also gar keine Verschwörung gegen das Gold,sondern es werden für Gold ganz einfach nur die gleichen Ver-hältnisse hergestellt, die für alle anderen Waren gelten, daß mitgrößerem Angebot und verminderter Nachfrage die Preise fallen.Wo soll dann die jährliche Goldprodüktion von 2 Milliarden Markbleiben, ohne zu einem Preisfall des Goldes zu führen? DerRückgang der Goldproduktion wird dann für England die gerechteStrafe dafür sein, daß es ihres Goldes wegen seinerzeit den Raub-192