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Geld und Gold : ökonomische Theorie des Geldes / von Robert Liefmann
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glauben, in der Geldlehre und Geldpolitik mit dem bloßenEmpirismus auskommen zu können, der bisher darin alleingewaltet hat. Man mag praktisch das Wirtschaftsleben undden Geldmechanismus noch so gut in allen Einzelheiten kennen,zu einem Einblick in die Wirkungen geldpolitischer Maßnahmenund besonders zu einer begründeten Entscheidung in den hier zurErörterung stehenden allgemeinen Fragen kommt man nur miteiner richtigen Wirtschaftstheorie, wenn man sich überdie Funktion des Geldes und das Wesen des Preisesklar geworden ist. Die Schrift steht also insbesondere mit meinenbisherigen Arbeiten über die Preistheorie im engsten Zusammen-hang. Aber ich möchte mit ihr nicht nur die Wissenschaftfördern, die allgemeine theoretische Grundlage für die Geldlehreschaffen, sondern ich möchte auch praktisch wirken, den großenwirtschaftspolitischen Aufgaben, die mir auf dem Gebiete desGeldwesens bevorzustehen scheinen, den wissenschaftlichen Unter-grund geben, den ihre Lösung bedarf, und zugleich dazu anregen,diese Lösung in Angriff zu nehmen.

Die Praktiker sind ja immer leicht geneigt, den einmalbestehenden wirtschaftlichen Zustand als dauernd anzusehen. Sieverkennen, daß sich das ganze Wirtschaftsleben in schnellster Ent-wicklung befindet und daß die wirtschaftliche Organisation, dienoch vor kurzem vortrefflich und zeitgemäß war, morgen rück-ständig und veraltet sein kann. Auch die Goldwährung istja noch keineswegs alt, aber die Vorstellung von ihrer Vortreff-lichkeit ist, vor allem der bim etal listischen Agitation gegen-über, tief in die Gedankenwelt weitester Kreise, besonders desErwerbslebens, eingehämmert worden. Man freute sich, aufdem Gebiete des Geldwesens endlich einmal die so lang entbehrteund für das Wirtschaftsleben so notwendige Stabilität erreichtzu haben, und nahm die gewaltigen Kosten, die eine solcheWährung erfordert, als ein notwendiges Opfer willig in Kauf.Kein Wunder, daß in diesen Kreisen keine große Neigungbesteht, hier wieder völlig umzulernen. And doch ist es keinZweifel, daß, wie alle wirtschaftlichen Verhältnisse, so auch dasGeldwesen in den letzten Jahrzehnten große Veränderungen durch-gemacht hat und in einem Zustand der Ambildung begriffen ist,der durch den Krieg noch verschärft wurde. Sie geht auch aufdiesem Gebiete in der Richtung größerer Wirtschaftlich-14