das ist das Zirkulieren —, aber der Zweck, den er damit verfolgtund den die ökonomische Theorie nie aus den Augen verlieren darf,ist doch nur vergrößerte Bedarfsbefriedigung. Nur zu diesemZweck wird es erworben, damit ist es aber auch das meistbegehrtealler Güter. Seine Beliebtheit beruht aber nur darauf, weil mitseinem Besitz heute die gesamte Bedarfsbefriedigung sichergestellt ist.
Wie diese Beliebtheit des Geldes und diese Sicherheit derBedarfsversorgung mit seiner Äilfe aber entstanden ist, das isteine heute noch vielerörterte Streitfrage. Es ist kein Zweifel,was insbesondere von Knapp scharf betont wurde („Die staat-liche Theorie des Geldes", 1905), daß für ein bestimmtes Geld-system der Staat festsetzt, was Geld sein soll: „Geld ist ein Ge-schöpf der Rechtsordnung." Aber wenn Geld vorher unbekanntwar, kann der Staat es nicht auf einmal schaffen. Geld mußsich durch wirtschaftliche Verhältnisse langsam einbürgern, kannnicht plötzlich durch die Rechtsordnung geschaffen werden. Daßgewisse Gegenstände, vermöge ihrer besonderen Brauchbarkeit da-für, schließlich allgemeines Tauschmittel werden, entwickelt sichzunächst von selbst und ganz allmählich aus dem Zustand desNaturaltausches heraus. Der Staat kann viel dazutun, indemer z. B. gewisse Güter als Mittel zu Zahlungen an sich bestimmt.Aber schließlich bestimmt der Staat doch nur ein konkretes Geld-system. Daß sich aber überall die Edelmetalle als am geeignetstenzum allgemeinen Tauschmittel herausgestellt haben, das konnte einStaat natürlich nicht bestimmen, das mußte sich aus den wirt-schaftlichen Verhältnissen allmählich entwickeln. And auch dieKaufkraft seines inländischen Geldes kann der Staat nicht be-stimmen, sondern, wie wir sehen werden, nur indirekt beeinflussendurch Einwirkung auf die Geldmenge.
Das Geld ist also zweifellos auch eine „soziologische"Erscheinung in dem von uns abgegrenzten Sinne.*) Es erfordertein gewisses Gleichgerichtetsein aller Einzelwirtschaften, wennes zur allgemeinen Benutzung gewisser Güter als Tauschmittelkommen soll. Das ist nicht durch den freien Willen des Ein-zelnen entstanden, sondern unter Machteinflüssen. Die ökonomischeTheorie braucht solche soziale Erscheinungen natürlich nicht zu
*) Vgl. dazu meine Aufsätze: „Über Objekt, Wesen und Aufgabe derWirtschaftswissenschaft " in den „Jahrbüchern für Nationalökonomie undStatistik", I9l6.
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