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Geld und Gold : ökonomische Theorie des Geldes / von Robert Liefmann
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Solange man so wenig sich über die Preisbildung klar war wiebisher, schwebte jede Geldtheorie einfach in der Lust. Wir wissennun, daß der Preis eines einzelnen Gutes sich nicht einfach ausAngebot von und Nachfrage nach jenem Gute erklären läßt, son-dern daß er eine komplizierte Komponente aller Nutzen- undKostenvergleichungen im Tauschverkehr ist. Wir wissen, daß manjenes sogenannte Austauschverhältnis, mit anderen Worten diePreise, nur erklären kann, wenn man erkennt, daß und wie dieGüter auf der einen Seite, die Geldsummen, die Preise auf deranderen Seite sowohl als Nutzen wie als Kosten von den Kon-sumwirtschaften und den Erwerbswirtschaften geschätzt werden.

Andererseits ist es aber auch verkehrt, wie die meisten Ver-treter derAnweisungstheorie" es tun (z. B. Bend ixen, a. a. O.,S. 96), zu behaupten, es bestehe gar kein Austauschverhältniszwischen Geld und anderen Gütern,denn das Geld ist kein wirt-schaftliches Gut, sondern Legitimation zum Empfang wirtschaft-licher Güter". Es gäbe nur Austauschverhältnisse zwischen denGütern selbst. Dieses ist durchaus falsch, ein Irrtum, der vonden Metallisten und Nominalisten in gleicher Weise geteilt wird;denn die ganze heutige Wirtschaftstheorie beruht darauf. Wennein Paar Stiefel, ein Lehrbuch der Nationalökonomie und eineReise nach Berlin je 20 M. kosten, so bedeutet das keinerleiAustauschverhältnis zwischen jenen dreiGütern". Anter denTausenden, die nach Berlin fahren oder sich ein Paar Stiefelkaufen, und unter den Äunderten, die sich das Lehrbuch derNationalökonomie kaufen, ist vielleicht kein einziger, der das einegegen das andere geben würde. Das spezielle Austauschverhältnisaber zwischen dem Gelde und einem einzelnen Gut, daß alsoein Paar Stiefel bestimmter Qualität augenblicklich gerade 20 M.kostet, das kann die Theorie überhaupt nie erklären, da dieserPreis, wie gesagt, von allen anderen Amsätzen im Tauschverkehr,von den Einkommen und der ganzen Entwicklung der Schätzungder Nechnungseinheit abhängt. Die Wirtschaftstheorie hat nurdie Aufgabe, überhaupt allgemein das Zustandekommen vonPreisen zu erklären.

Die ganze Vorstellung, daß das Geld ein Austauschverhältniszwischen Gütern ausdrücke, ist verkehrt, ist nur eine Folge derhergebrachten Verwechslung von Wirtschaft und Technik. DasWesen des Geldes besteht gerade darin, daß es als allgemeines100