Druckschrift 
Geld und Gold : ökonomische Theorie des Geldes / von Robert Liefmann
Seite
129
Einzelbild herunterladen
 

3. Die Schätzung des Geldes

An diese Kritik der bisherigen Geldtheorien, des Metallis-mus und des Chartalismus, seien noch einige weitere Be-merkungen über denGeldwert" angeschlossen.

Äber den Wertbegriff im allgemeinen und den Geldwert imbesonderen ist so unendlich viel geschrieben worden, daß man sichfast scheuen muß, noch etwas dazu zu sagen. Ich wage es nurdeswegen, weil ich schon eingangs betonte, daß ich weit davonentfernt bin, eine neueWerttheorie" aufzustellen, daß ich viel-mehr den Wertbegriff, der so unendlich viel Anheil in der öko-nomischen Theorie verschuldet hat, ganz aus ihr herauswerfenwill. Dieses Kapitel hat daher nur die Aufgabe, viel schärferals das bisher möglich war, zu zeigen, wie selbst die neuestenAutoren und solche, die ganz zweifellos in manche Einzelheitendes Geldwesens am tiefsten eingedrungen sind, wie Äelfferich undLansburgh, doch hinsichtlich des Geldwertes in fundamentalentheoretischen Irrtümern befangen sind, die sie aus der bisherigenWirtschaftstheorie übernommen haben.

Diese Irrtümer beruhen letzten Endes auf der ganzenquantitativ-materialistischen Auffassung der Wirtschaft und imbesonderen auf dem Fehlen einer wirklichen Preistheorie. DieFolge davon ist, daß man im Preise immer einen Wertausdrucksieht und immer an einen absoluten Wert der Güter glaubt,einerlei, ob man ihn als Substanzwert oder als Funktionswertauffaßt. Es ist auf das schärfste zurückzuweisen, wenn mantausendfach in der bisherigen Literatur solche Sätze findet wie beiLansburgh (a. a. O., S. 52):Die metallistische Theorie verstehtunter dem Gelde ... ein Zahlungsmittel aus Metall, dessenNennwert sich mit seinem Effektivwert deckt." Es gibt keinenEffektivwert" des Geldes. Oder:Es genügt (nach der Chartal-theorie), daß dem Zahlungsmittel ein bestimmter Wert durchStaatsbefehl verliehen wird." Es kann dem Gelde keinWert"verliehen werden. Aber ist das nicht nur ein Streit um das viel-deutige Wort Wert? In gewisser Äinsicht sicher. Aber esliegen jener Verwendung doch fundamentale tauschwirtschaftlicheIrrtümer zugrunde, eben der, daß der objektive Geldausdruck,der Preis gleichzeitig Ausdruck eines subjektiven Wertes sei.Das ist nicht der Fall; aber jeder Geldausdruck, jeder Preis

R> Liefmann , Geld und Gold S 129