ist sicherlich nicht allgemein gesunken, weil es eben keinen allge-meinen absoluten Wert gibt. Sondern wenn „der" Wert oder„die" Kaufkraft des Geldes gesunken ist, so heißt das nichtsanderes, als es sind viele, aber wohl niemals alle Preise ge-stiegen, und es sind manche Einkommen gestiegen, aber nicht alle.Etwas Individuelles, für den einzelnen Wirtschafter oder gar fürjede einzelne Wirtschaft Gültiges, woran man beim Worte Wertunwillkürlich denkt, ist damit keineswegs ausgesagt. Auf indivi-duelle Schätzungen sind damit die Preise und ihre Verände-rungen keineswegs zurückgeführt, was doch die Aufgabe derWirtschaftstheorie ist.
Gerade beim Gelde und dem Phänomen der Preise gegen-über veranlassen die Begriffe Wert und Kaufkraft dazu, sie sichabsolut vorzustellen, als ob das Geld von selbst, aus sich heraus,die Waren kaufe. Das ist nicht der Fall; man kann denganzen Mechanismus des Tauschverkehrs nur erkennen, wennman in jedem Augenblick daran denkt, daß Geld und Preisesubjektiv, nämlich als Einkommensquoten, geschätzt werden. DieseTatsache, die festzuhalten von der allergrößten Wichtigkeit ist,muß dazu zwingen, die Ausdrücke Wert und Kaufkraft desGeldes unter allen Umständen zu vermeiden und immer nur vonSchätzung des Geldes zu sprechen, weil dieser Ausdruck immersubjektiv gefaßt ist und daher kaum mißverstanden werden kann.Wenn man das einmal erkannt hat, wird man in Zukunft allentheoretischen Erörterungen, die von Wert und Kaufkraft des Geldessprechen, mit allergrößtem Mißtrauen entgegentreten, und die Au-toren, denen es wirklich auf Klarheit und wissenschaftliche Erkennt-nisse ankommt, werden gut tun, jene Ausdrücke ganz zu vermeiden.
Die Schätzung des Geldes folgt, wie gesagt, den allgemeinenGesichtspunkten über Kostenschätzung, d, h>, da man immer miteinem gewissen Geldvorrat, richtiger mit gewissen Summen inder abstrakten Rechnungseinheit, dem mehr oder weniger genaubekannten Einkommen rechnet, schätzt man das Geld nachdemNutzen, den man sich mit einer über die verfügbare Mengehinausgehenden weiteren Einheit verschaffen könnte. Je wenigerBedürfnisse man sich also befriedigen kann, um so höher alsodie Preise sind, um so höher schätzt man die Geldeinheit. (Fürdiesen Wirtschafter ist also der „Wert" des Geldes ge-stiegen, seine „Kaufkraft" gesunken.)
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