Druckschrift 
Geld und Gold : ökonomische Theorie des Geldes / von Robert Liefmann
Seite
150
Einzelbild herunterladen
 

Ein Kauptargument für die Goldwährung ist von jehergewesen, daß allein durch Anknüpfung an das Gold, dessen Wertim internationalen Verkehr ziemlich konstant sei, das inländischeGeld vor starken Wertschwankungen geschützt sei. Diese Behaup-tung beruht, wie wir jetzt wissen, auf der falschen Vorstellungvon einem internationalenWert" des Goldes, während es alleinin den Rechnungseinheiten der einzelnen Länder ausgedrücktePreise desselben gibt. Daß diese Preise bei freier Prägungnicht oder nicht nennenswert schwanken, besagt nicht, daß nichtalle anderen auf dieselbe Rechnungseinheit lautenden Preise imVergleich mit den auf eine andere Nechnungseinheit lautendenVeränderungen unterworfen sind, daß also z.B. die Kaufkraftder Mark für manche Güter im Verhältnis zur Kaufkraft desDollars gesunken ist. Die internationalen Wirtschaftsbeziehungender Völker werden eben nur durch die Waren im weitesten Sinne,alle Schulden und Forderungen eingeschlossen, gebildet. Das Geld,richtiger die abstrakte Rechnungseinheit, ist ein ganz indifferenterVermittler.

Die Goldwährung würde, wenigstens für den internationalenVerkehr, einen Vorzug vor allen anderen Währungen haben,wenn das Gold in der Tat internationaler Wertmaßstab wäre,wie die Metallisten glauben, d. h. wenn der Preis der inländischenRechnungseinheit, also der deutsche Wechselkurs in Gold ausge-drückt, überall im Auslande derselbe sein würde. Das ist aberbekanntlich nicht der Fall, der Wechselkurs eines Landes ist trotzder Goldwährung für jedes Land verschieden. Denn der Güter-austausch im weitesten Sinne, alle Leistungen, Forderungen undSchulden einbezogen, bestimmt die Kaufkraft der Rechnungs-einheit eines Landes jedem anderen Lande gegenüber. Ein ein-heitliches internationales Wertmaß gibt es nicht. Gold ist imTauschverkehr mit anderen Ländern nur ein Ausgleichsmittelneben allen anderen. And es ist keineswegs das beste Aus-gleichsmittel. Denn ganz abgesehen davon, daß es ein Luxus-artikel ist und wenn es für Währungszwecke gebraucht wirdganz besonders, sind auch seine Versendungskosten ja viel höherals die von Wertpapieren. Diese in verschiedener Gestalt: Geld-und Kapitalpapiere*) sind also in Verbindung mit einer entspre»

*) Vgl. über diese Unterscheidung mein Buch:Beteiligungs- undFinanzierungsgesellschaften", 2. Aufl., 1913, Kap. II.

150