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Geld und Gold : ökonomische Theorie des Geldes / von Robert Liefmann
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wirkt, weil dann die freie Goldzirkulation und freie Ausfuhr ein-gestellt werden muß, daß es aber in normalen Zeiten unnötigist, sobald der Staat seine Pflichten und Aufgaben gegenüberdem Geldwesen erkennt. Ist das der Fall, so ist die Stabilitätder allgemeinen Rechnungseinheit auch bei Papierwährung ebenso-gut zu wahren, da der Ausgleich mit dem Auslande noch vor-teilhafter als durch Gold durch Devisen und Effekten erfolgt, dieheute schon einschließlich einer zweckentsprechenden Diskontpolitikdazu in größtem Amfange verwandt werden. In kritischen Zeitenbringen aber allein schon die gewaltigen Amstellungen des inlän-dischen Wirtschaftslebens auf die Kriegswirtschaft solche Preis-Veränderungen hervor, daß, auch ganz abgesehen von dem dannregelmäßig sinkenden Export, die Kaufkraft der inländischen Rech-nungseinheit so sinken wird, daß eine Ausgleichung durch Goldauf die Dauer gar nicht möglich wäre, selbst wenn das InlandGold bereitwillig hergäbe, das Ausland es in unbegrenzter Mengebereitwillig nehmen würde. Beides ist aber nicht der Fall. Derallgemeine Goldwahn bewirkt, daß die Staaten mit Goldwährungdie Einlösungspflicht der Noten aufheben und Ausfuhrverbotefür Gold erlassen. Andererseits haben die Erfahrungen desKrieges viele Länder, vor allem Schweden , Argentinien undKolland, gelehrt, daß es nützlichere Waren gibt als Gold unddaß es unzweckmäßig ist, es sich mit dem Institut der freienPrägung vom Ausland in beliebiger Menge aufdrängen lassenzu müssen.

So wird also der Zweck der Goldwährung, die Schwankungenin der Kaufkraft desGeldes" in engen Grenzen zu halten, inkritischen Zeiten nirgends erreicht. Diese Schwankungen tretendoch ein und hängen von den gesamten wirtschaftlichen Verhält-nissen, der Amstellung der Volkswirtschaft auf den Kriegsbedarfund eventuell auch von der Geldvermehrung ab. In normalenZeiten aber ist ein großer Goldschatz überflüssig, sür die Aus-gleichung mit dem Auslande können Devisen und Effekten ebensodienen und dienen schon heute so, und eine Papierwährung aufdieser Grundlage wird nicht mehr, ja bei geschickter Diskont-und Devisenpolitik eher noch geringeren Schwankungen derPreise von der Geldseite her ausgesetzt sein als die heutigenGoldwährungen mit Banknotenausgabe. Die Behauptung vonder größeren Wertstabilität des Geldes bei der Goldwährung154