Neuntes Kapitel
Abrechnungsmethoden und Papiergeld
1. Allgemeines
icht die staatlichen, realen Zahlungsmittel, nicht die Geldmengesind die Grundlage aller Umsätze im Tauschverkehr, sonderneine abstrakte Rechnungseinheit, aus die die Einkommenlauten. Es ist sicher, daß ursprünglich nur ein wertgeschätztesSachgut die Rolle des allgemeinen Tausch- und Zahlungsmittelsspielen konnte. Aber sobald dieses allgemeine Kosten- und Nech-nungseinheit wird, in der alle Erträge der Einzelwirtschaften, dannEinkommen genannt, veranschlagt werden, ist deren Verkörperungin einem wertgeschätzten Sachgut nicht mehr erforderlich. Dannerst beginnt die eigentliche Epoche der „Geldwirtschaft ". Jemehr das der Fall ist, je mehr die Trennung von Konsum- undErwerbswirtschaft, die rein geldliche Nutzen- und Kostenvergleichungder letzteren, die Geldrechnung aller Kosten bei den ersteren fort-schreitet, je mehr alle Güter und Leistungen Geldpreise haben undauch das Geldleihkapital sich entwickelt, um so mehr treten die vomStaate geschaffenen realen Zahlungsmittel an Bedeutung zurückhinter der rein abstrakten Nechnungseinheit, die, von den Einzelnenals Grundlage ihrer Einkommen geschätzt, alle Umsätze vermittelt.
Niemals aber, auf keiner Stufe der Entwicklung, wird der„Wert", die Kaufkraft des Geldes durch den Wert des Geld-stoffes bestimmt, sondern Kaufkraft ist selbstverständlich immer das,was man damit kaufen kann. Nur bleibt diese Kaufkraft immerindividuell, subjektiv. Es gibt keine allgemeine Kaufkraftdes Geldes, sondern nur eine subjektive der Ein-kommen. Auch dieser Satz ist eines der wichtigsten Ergebnissemeiner Wirtschaftstheorie. Geld ist Kostengut, einerlei, aus welchemStoff es besteht. Wie bei anderen Kostengütern ist die stofflicheEigenschaft ganz unwesentlich, sofern man sich nur Genußgütermit ihnen verschaffen, Bedürfnisse befriedigen kann. Scheide-
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