Erwerbswirtschaften bleiben, wo weniger bares Geld gebrauchtwird wie bei den Konsumwirtschaften, so ist eigentlich auch keinGrund einzusehen, weshalb bei größerem Wechselumlauf mehrBanknoten zirkulieren sollen. Nichtiger wäre es vielleicht, stattan den Wechselkredit, also an den Warenkredit, die Banknoten-ausgabe anzuknüpfen an die Depositen, eine Vermehrung derBanknotenausgabe mit der Zunahme der Depositengelder, natür-lich bei allen Banken, in Verbindung zu bringen.
Doch soll von solchen Zukunftsfragen des Notenbankwesenshier nicht die Rede sein. Ich halte die Banknotenausgabe aufsolide Warenwechsel im allgemeinen für unbedenklich und glaubenicht, daß bei einer zweckmäßigen Diskontpolitik hier eine Arsachevon Preisveränderungen und Krisen liegt. Die Bedeutung derGeld- und Krediterscheinungen, vor allem natürlich der Gold-produktion, als Arsache von Krisen wird heute meines Erachtensstark überschätzt. Sie können höchstens sekundärer Natur sein.Aber mangels eines einheitlichen geschlossenen Systems zur Erklärungder tauschwirtschaftlichen Vorgänge untersucht man heute mitVorliebe nebensächliche Momente und übersieht die aus dem Wesenunserer ganzen Wirtschaftsordnung hervorgehenden primären Ur-sachen. Als solche habe ich für die Krisen das Auseinandergehendes privaten Gewinninteresses mit dem volkswirtschaftlich zweck-mäßigsten Grade der Kapitalbildung erkannt,*) also eine Er-scheinung, die direkt mit dem Organisationsprinzip des Tausch-verkehrs, dem Ertragsstreben zusammenhängt. Der technischeFortschritt veranlaßt die Unternehmer zu immer neuen Kapital-investitionen, die für sie privatwirtschaftlich rentabel sind. Aberes werden dadurch investierte Kapitalien zur Vernichtung, zum Aus-scheiden aus der Produktion gebracht, die noch nicht volkswirt-schaftlich amortisiert waren. So kann sich also der Prozeß derKapitalersetzung und Kapitalvernichtung zu schnell vollziehen.
Diese Gedanken sind seitdem in der Literatur oft erwähntworden — zum Teil auch, ohne die Quelle zu zitieren —, aberin ihrer Bedeutung als primärer Krisengrund, namentlich auch inden Konjunkturschwankungen der letzten Jahrzehnte, sind sie dochnoch nicht genügend erkannt worden, weil man in der Krisenlehrenoch zu sehr an den Symptomen im Geld- und Kreditverkehr
*) Vgl. meinen Aufsatz: „Theorie des Sparens und der Kapitalbildung"in „Schmollers Jahrbuch", 1912.
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