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1 (1930) Vom Staatssekretariat bis zur Marokkokrise
Entstehung
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4 PHILIPP EULENBURG, DAS MÄDCHEN AUS DER FREMDE

Besitzung Hertefeld, wo er sich in Urlaub befand. Da ich einen Aufenthaltvon etwa anderthalb Stunden hatte, nahmen wir Platz auf einer Bankder Bockenheimer Promenade, nicht weit von der Büste des mit Weinlaubbekränzten Bacchus über dem Wasserbrunnen, an dem ich als Kind sooft vorübergekommen war, erst an der Hand englischer Nurses und französi-scher Gouvernanten, später unter dem strengeren Auge des deutschenHauslehrers. Eulenburg wünschte dringend, daß ich den Ruf des Kaisersnicht ausschlagen möge. Einmal legte er Wert darauf, einen persönlichenFreund zum Vorgesetzten zu haben. Dann aber war die Rolle, die er sichbei Seiner Majestät zurechtgelegt hatte, die des gabenspendenden Mädchensaus der Fremde, aus dessen Hand der kaiserliche Freund alles Gute, allesErwünschte und Ersehnte erhalten sollte. Er setzte mir mit jedem seinerweichen Natur möglichen Nachdruck auseinander, daß eine Absage denKaiser nicht nur tief verstimmen, sondern ihm geradezu als Insubordination,wenn nicht als Desertion erscheinen würde. Ich wäre es auch dem Landeschuldig, mich ihm in so schwieriger äußerer wie innerer Lage nicht zu ver-sagen. Was Eulenburg hierüber sagte, kam aus aufrichtigem Herzen. Erwar für deutsche Gesichtspunkte ziemlich gleichgültig, hatte aber durchseine Erziehung und seine Verwandtschaften mehr preußisches Empfinden,als ihm im allgemeinen zugetraut wurde.

Während wir auf der Promenadenbank diskutierten, kam auf einemgroßen schwarzbraunen Wallach ein hochgewachsener, noch jugendlichaussehender General vorbeigeritten, mit strengen Gesichtszügen, die Gestaltstraff und wie aus Erz gegossen, eifrig bemüht um die Dressur seines edlenTieres. Ich erkannte meinen Bruder Adolf, der nicht lange vorher zumKommandeur der Frankfurter Kavallerie-Brigade ernannt worden war.Wer hätte mir vorausgesagt, daß wenige Monate später dieser stattlicheReiter mit eingedrücktem Brustkasten, im Todeskampf röchelnd, unterseinem schweren Pferd liegen würde! Wer konnte voraussehen, daß meinNachbar auf der Bank wenige Jahre später als ein gemiedener und ver-femter Mann, nicht wie mein armer Bruder körperlich, aber moralischzerschmettert, sich in seinem Liebenberger Schloß verbergen würde!

Wohl vielerlei mag anschauend der MenschAusspähn; doch weissagt, eh' er geschaut,Kein Seher die Lose der Zukunft."

Als wir uns trennten, drückte mir Eulenburg einen Zettel in die HandEulenburgs mit den Worten:Dies mein letztes Wort, meine letzte Bitte an dich; sieInstruktion kommen aus treuem Freundesherzen und aus einem patriotischen Herzen.

Nur wenn du den Kaiser psychologisch richtig nimmst, kannst du demLand nützen, du bist aber die letzte Karte des Kaisers Wilhelm II." Auf