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1 (1930) Vom Staatssekretariat bis zur Marokkokrise
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DER SCHÜTZENHERZOG VON KOBURG

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unendlich höflicher, feiner Hofmann, dem man jene Feuerprobe nicht an-sah. Er erinnerte ein wenig an die Figur des Aramis in dem berühmten Buchvon Dumas pere:Les trois mousquetaires ", das in meiner Jugend dasEntzücken aller der französischen Sprache mächtigen Knaben war. Beijenem Angriff auf St-Privat waren die Verluste für die damalige Auf-fassung unverhältnismäßig groß gewesen, dieKreuzzeitung " schrieb, daßPreußens Adel ein Jahr lang in Trauer gehen werde, und derKladdera-datsch" brachte aus der Feder von Ernst Dohm ein herrliches Gedicht aufdie Ernte, die der Tod mit mähender Sichel unter der Blüte des Heeresgehalten habe. Seitdem haben wir uns an noch ganz andere, viel schwerereBlutopfer gewöhnen müssen, und die Prophezeiung des Fürsten Bismarck,daß auf den nächsten Krieg die französische Wendung von demsaigner äblanc" zutreffen würde, fand eine nur zu furchtbare Bestätigung. Am18. August 1870 hatte bei St-Privat die preußische Infanterie ihren größtenEhrentag seit Leuthen gehabt. Wie bei Leuthen war alles niedergebrochen,als sie vorrückte mit voller Wucht.

Als ging durch alle Glieder der Front ein eisern Niet,Trat sie vernichtend nieder in Staub, was nicht entflieht."

Der alte Russe Suwarow hatte bekanntlich gesagt, die Kugel wäre eineNärrin, das Bajonett aber ein braver Kerl. Ahnlich dachten von oben bisunten vor dem Weltkrieg viele im preußischen Heere und namentlich in derGarde. Vom taktischen, strategischen und NützUchkeits-Standpunkt ausbetrachtet, gewiß mit Unrecht. Aber zum ewigen Ruhme derer, die damalswie jetzt im Weltkrieg das höchste Heldentum betätigten, das die Weltseit Marathon und Platää gesehen hat.

General von Hahnke hatte auch im bürgerlichen Leben stets denKopf hoch getragen. Er war längere Jahre Adjutant des Herzogs Ernstvon Koburg gewesen, von dem König Friedrich Wilhelm IV. spöttischbehauptete, er trage sich mit dem Ehrgeiz, in Mitteldeutschland einKönigreich Ostfalen zu gründen, und der in der ersten Hälfte dersechziger Jahre alsSchützen-Ernst" eine gewisse Popularität besaß.Damals hieß es vielfach, Ernst II. wolle auf dem Wege der VolkswahlDeutscher Kaiser werden. Das Jahr 1866 machte allen solchen Velleitätenein Ende. Der Herzog schloß sich mit Elan an Preußen an, nahman der Schlacht von Langensalza , wenn auch mehr im Hintergrunde,teil und machte seinen Frieden mit Bismarck . Einen Augenblick sollErnst II. gehofft haben, an die Stelle der Albertiner in Dresden tretenund so für die ernestinische Linie des Hauses Wettin eine wenn auchspäte Rache an den Albertinern für ihren Verrat von 1547 nehmen zukönnen.

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