SIMON MEYER
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fehlte. Der „Kladderadatsch" widmete dem Herzog damals die nach-stehenden köstlichen Verse:
An einen hohen SchlachtenbummlerVariationen über das Thema:„hätten die Sachsen besser eingegriffen"
Zwar hast Du diesmal Dir den Kriegermut,
Die Heldentaten meisterlich verkniffen;
Bei manchem hübschen Kind, manch jungem Blut
Hast ehmals Du viel besser eingegriffen.
Gesichert, wo der eh'rne Würfel fiel,
Und fern der Wahlstatt, wo die Kugeln pfiffen,
Hast einst im lustigen Komödienspiel
Als Bolingbroke Du besser eingegriffen.
Die armen Sachsen, die Du rezensiert,
Mit einem Takt, so zart, so fein geschliffen!
Hätt'st Du statt dessen selbst sie angeführt,
Meinst Du, sie hätten besser eingegriffen?
Von Klatschbasen ist namentlich in England die Behauptung verbreitetworden, der wirkliche Vater des Herzogs Ernst von Koburg und seinesBruders, des Prince-Consort von England , sei nicht Herzog Ernst I. vonKoburg, sondern ein Jude namens Simon Meyer gewesen. Daran wurdendann allerlei mehr oder weniger schlechte Witze über S. M. in seiner zwei-fachen Auslegung geknüpft. Es soll richtig sein, daß mancherlei gegen dieVaterschaft des Herzogs Ernst I. von Koburg spricht. An den thüringi-schen Höfen aber war man, wie mir gelegentlich ein thüringischer Prinzerzählte, fest davon überzeugt, daß es sich keinesfalls um einen HerrnSimon Meyer, sondern im schlimmsten Fall um einen Herrn von Ziegesarhandle, und „das ist", fügte jener thüringische Prinz beruhigend hinzu,„eine sehr anständige adlige Familie". Ich habe nie etwas müßiger gefunden,als solche Recherche de la paternite. Nicht nur weil ein derartiges Herum-schnüffeln widerwärtig ist, sondern auch weil wir vor Gott alle gleich sind,alle arme Menschen mit menschlichen Unvollkommenheiten und Schwä-chen, wie auch unsere Blutmischung sein möge. Das war übrigens auchdie Ansicht Kaiser Wilhelms II. , der mir einmal eine hübsche Äußerungseiner Tante, der Prinzessin Henriette von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg, erzählte. Bei der Tragödie Struensee spielten die Beziehungenjenes Unglücklichen zu der Königin Karoline Mathilde von Dänemark einegroße Rolle. Die Königin war durch einen niederträchtigen Betrug ver-anlaßt worden, unerlaubte Beziehungen zu dem früheren Arzt und späterenStaatsminister Struensee einzugestehen. Nicht lange nach der Hinrichtungvon Struensee und der Verbannung der Königin wurde letztere von einer
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