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WILHELM II. SCHILLERT
seinen athenischen Landsleuten über Kunst und Philosophie diskutierte,bei den Spartanern die schwarze Suppe aß und bei den Persern das langeasiatische Gewand trug, traf auch auf Wilhelm II. zu, nur daß Alcibiades,wie ich annehme, bewußte Mimikry trieb. Bei Wilhelm II. war es mehr derDrang, zu gefallen und zu diesem Zweck sich zu assimilieren. In Rußland empfand er wie ein sehr vornehmer russischer Generaladjutant alten Stilsoder auch wie ein aus Oldenburg, Altenburg oder Strelitz nach Rußland eingewanderter Prinz, in England wie ein Enkel der Königin und „Admiralof the fleet", in Wien schwarz-gelb und in Pest magyarisch. In Italien schillerte er in verschiedenen Nuancen. Im Quirinal war er ganz CasaSavoia, im Vatikan sah er sich im Geiste als Schutzherrn des römischenPapsttums, wie es einst die römischen Kaiser deutscher Nation gewesenwaren oder wenigstens sein wollten, in Sizilien folgte er den Spuren derHohenstaufen.