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1 (1930) Vom Staatssekretariat bis zur Marokkokrise
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SUBMISSE GRATULATIONEN

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0 et praesidium et dulce decus meum!

Hatte Graf Anton Monts uns besuchen dürfen, so schrieb er mir:ImVerkehr mit Ihnen gewinne ich den Glauben an die Menschheit wieder.Alle guten Leute sind ja leider meist dumm, alle klugen in der Regelschlecht. Sie aber und Ihre Gattin sind klug und gut, jede Kleinlichkeitist Ihnen fern. Nochmals Dank für alles Gute! Ich begreife jetzt immer mehr,daß alle Legationssekretäre, die das Glück hatten, unter Ihnen zu stehenund in Ihrem Haus gute Sitte, Anstand und Grazie des Lebens zu studieren,so ganz anders werden." Namentlich der Ausdruck seiner unwandelbarenDankbarkeit kehrt in seinen Briefen immer wieder.Ich verehre in Bülow",schrieb er an meine Frau,den geistigen Vater meiner Münchener Gesandt-schaft (meiner römischen Botschaft), ich habe also alle Ursache, ihm dank-bar zu sein. Gott lohne ihm seine Freundschaft!" Schon als er seiner Freudeüber meine Ernennung zum Botschafter in Rom Ausdruck gab, schrieb ermir:Übrigens versichere ich Sie, daß meine Freude ganz neidlos ist. Wieich immer willig Ihre Überlegenheit anerkannt und oft vertreten habe, alsSie keineswegs Persona grata bei gewissen Herren waren (Anspielung aufMarschall , Holstein und Kiderlen, denen er früher ebenso eifrig den Hofgemacht hatte), so freue ich mich jetzt von Herzen, daß es wenigstenseinem guten Mann seinem Verdienst gemäß geht."

Der Verkehr mit zwei so seltenen Menschen, wie Sie und Ihre Gattinsind, ist immer ein wahrer Genuß für mich."

Sie aber, mein alter lieber Bülow, sind der Gilten Zuflucht und Hoff-nung."

An meine Frau:Ich erflehe die Gunst aller Nixen auf die schönste undliebenswürdigste aller Botschafterinnen herab. Servitore umilissimo Monts."

An mich:Ich möchte immer im Schatten des Bülowschen Bannershausen."

Gratias aus vollem Herzen für Ihre und Ihrer Gattin Neujahrswünsche.Ich erwidere dieselben in gleicher Aufrichtigkeit und bitte, auch DonnaLaura meine submissen Gratulationen zu Füßen zu legen. Mehr als sonstirgendeine italienische Dame verkörpern für mich Mutter und Tochter mitihrer vollendeten Liebenswürdigkeit, mit ihrem Geist und ihrem Geschmackdie italienische Grazie. Nur daß vielleicht Ihre Gattin noch mehr Gütedes Herzens besitzt, als man selbst bei der vortrefflichsten Italienerin zufinden berechtigt ist."

Und einige Tage später, auch an meine Frau:Ich verdanke Bernhardschon so viel und bin nicht imstande, ihm auch nur einigermaßen das zuvergelten, was er in für mich nicht leichten Zeiten für mich Gutes getan hat.Möge er daher immer auf meine Ergebenheit rechnen und, welcherDienst es auch sei, von mir verlangen! Ihr getreuer, gehorsamer Monts."