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Die Späße und Kalauer seines deutschen Kollegen erschienen ihm vulgär,dessen ganze Art nicht wirklich vornehm. Da Wilhelm II. bei glänzenderBegabung Flair und Takt abgingen, so merkte er nicht, daß bei demzwischen den beiden Monarchen bestehenden Altersunterschied eine größereReserve von seiner Seite den alten Kaiser wohltuend berührt hätte, daßes diesem lieber gewesen sein würde, wenn der Deutsche Kaiser nicht gar zuhäufig an der schönen blauen Donau erschienen wäre. Franz Josef warMensch nur in seinem Verhältnis zu Frau Katharina Schratt . Ich fügesogleich hinzu, daß es sich um ein rein freundschaftliches Verhältnishandelte. Frau Schratt war nicht nur eine begabte Schauspielerin, sondernauch eine Hebenswürdige und behagliche Frau, heiter, graziös, vor allemnatürlich, wie es die Wienerinnen sind. Sie hielt sich der Politik völlig fern,was die strebsamen Gesandten kleinerer Staaten in Wien .nicht abhielt,ihr eifrig zu hofieren und ihr harmloses Geplausch gewissenhaft und wichtignach München und Dresden zu melden. Frau Schratt stand in den aller-besten Beziehungen zur Kaiserin Elisabeth, die aufrichtig erfreut war,daß ihr hoher Gemahl im Verkehr mit Kathi Beruhigung und Trost fürdie Widerwärtigkeiten der Politik und die furchtbaren Prüfungen in seinerFamilie fand. Der Kaiser nannte Frau Schratt in seinen Briefen an sie„hochverehrte, gnädigste Frau." In ihrem Salon hing ein großes Bild derKaiserin Elisabeth, das diese der Freundin des Kaisers geschenkt hatte.Der Kaiser hebte es, mit Frau Schratt Tarock zu spielen, ein in den Donau-ländern populäres Kartenspiel. Der Dritte bei diesem Tarock war ein treff-licher Ministerialbeamter, der Schulz hieß. Als eine der Töchter des Kaisers,die übrigens wie ihre Mutter für Frau Schratt schwärmte, ihren Vater daraufaufmerksam machte, es sei vielleicht nicht ganz in der Ordnung, daß er miteinem Herrn Schulz Karten spiele, wurde diesem die Exzellenz verliehenund so die schwierige Angelegenheit im Geiste der Hofburg glänzend er-ledigt. Wie er war, war Kaiser Franz Josef der letzte österreichische Kaiserund würdig, der Letzte dieser langen Reihe zu sein. Es wäre eine Beleidi-gung für das alte Kaiserhaus, wenn man Kaiser Karl als den letzten derKaiser aus dem Hause Habsburg bezeichnen wollte. Dieser Ephialtes unterden Fürsten , der verlogen, feige und verräterisch zum Feinde übergingund seinen Bundesgenossen verriet, der sich (leider durch Österreich ) in denfurchtbarsten aller Kriege hatte verstricken lassen, war ein Schandfleckin der Geschichte Habsburgs und Österreichs . Als ihr Schlußpunkt sollund darf er nicht gelten.
Das Haus Habsburg hat am deutschen Volk viel, sehr viel gesündigt.Seine falsche Politik hat die Schweiz, hat Holland vom Reiche abgestoßen.Die Ferdinandeische Politik der Gegenreformation führte den Dreißig-jährigen Krieg herbei, das größte Unglück, das Deutschland vor dem Welt-