krieg betroffen hat. Aber Österreich ist und bleibt ein Glied am deutschen Körper. Die österreichische und die habsburgische Geschichte sind zu engmit der deutschen verflochten, als daß wir der alten Donaumonarchie nichteinen würdigen Abschluß wünschen sollten. Ich habe nie vor Kaiser FranzJosef gestanden, ohne, obwohl ich durch und durch Preuße bin und nichtdie Sünden der Habsburger an Deutschland vergesse, innerliche Bewegungzu empfinden bei der Erinnerung an die alten Zusammenhänge zwischen unsund diesem Hause. Wie viele und wie große Ereignisse, welche Höhen undwelche Tiefen umfassen die sechs Jahrhunderte zwischen dem Tage, andem Graf Rudolf von Habsburg 1273 die Habichtsburg im Aargau , woseines Stammes Hoheit ausgegangen, verließ, um nach Frankfurt am Main zu reiten, und dem Zusammenbruch des habsburgischen Reichs im Jahre1918: die Wahl Rudolfs zum deutschen König, der Sieg über den Böhmen-könig Ottokar, die Erwerbung von Österreich und Steiermark, von Kärnten und Krain, von Tirol und vom Breisgau, von Istrien und Triest , die Heiratmit Maria von Burgund , die Verbindung mit Johanna von Aragon. Tufelix Austria nube! Das Zepter der Habsburger erstreckte sich vomdeutschen Kaiserthron über Spanien, Holland, Belgien , über ganz ItaUenvon Mailand bis Palermo , über die Freigrafschaft, über einen Teil des heu-tigen Frankreich. Habsburg herrscht über Südamerika, Zentralamerika und einen großen Teil von Nordamerika. Es gewinnt Böhmen, Schlesien ,Ungarn, Kroatien. „Österreich , an Ehren und an Siegen reich." PrinzEugenius, der edle Ritter, Zenta, Belgrad, Erzherzog Karl und der Sieg beiAspern, den Heinrich von Kleist jubelnd begrüßt, und noch im vergangenenJahrhundert der alte Radetzky: In seinem Lager war Österreich. KaiserFranz Josef , der bei all seinen Schwächen und Fehlern nicht nur durch dieLänge seiner Regierung, sondern auch durch alle Schicksalschläge, die aufihn niederstürmten und nur in den Schicksalstragödien des Sophokles undin den Königsdramen des Shakespeare ihresgleichen finden, immer ehr-würdig sein wird, ist für die Geschichte ein Abschluß, der Wehmut und dasGefühl des Vergänglichen alles Irdischen ohne häßliche Reminiszenzenhervorruft. Dem deutsch -österreichischen Stamm aber möge die Zukunftvergönnen, daß er einmal als Glied des Deutschen Reiches den Rückwegzur Mutter Germania findet.
Kaiser Franz Josef begann am 19. September 1897 in der Burg zu Ofendie Unterredung mit mir, wozu der Genius loci aufforderte, mit einem Rund-blick auf die Balkanfürsten. Am schlechtesten kam dabei Fürst Ferdinandvon Bulgarien weg. Fürst Ferdinand hatte in jungen Jahren in der öster-reichischen Armee gedient. Er war, wie manche andere Sprossen des HausesKoburg, geistig sehr begabt und zweifellos aus dem Holz, aus dem erfolg-reiche Fürsten geschnitzt werden. Er war an Beweglichkeit, an Freiheit