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1 (1930) Vom Staatssekretariat bis zur Marokkokrise
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SALISBURYS ANTIPATHIE GEGEN WILHELM II.

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gemacht habe gegenüber englischer Kohle, haben zu einem überraschendgünstigen Resultat geführt. Die beste Poschan-Kohle ist der Cardiff -Kohlegleichwertig! Die geringere Qualität ist unvergleichlich viel besser als diejapanische." Uber die vielfachen Differenzen zwischen den verschiedenenMarineinstanzen schrieb der Prinz dem Kaiser:Hoffentlich ist, wenn dieseZeilen Dich erreichen, unsere Organisationsfrage geklärt, und Du bist festgeblieben in dem Festhalten an der bisherigen Organisation. Dein Willekann nur durch ein Kommandoorgan ausgegeben werden. Traue Tirpitznach wie vor, aber laß Dich nicht durch ihn verleiten, die Kommando-gewalt des Oberkommandos auch nur im geringsten zu beschneiden.Niemand hat heftiger für ein solches Oberkommando gekämpft als seiner-zeit Tirpitz selbst. Und dies aus Uberzeugung! Gott segne und behüte Dich.Dich und die Deinen täglich in mein Gebet einschließend, bleibe ich DeinDich innigst liebender und stets treuer, gehorsamer Bruder Heinrich."

Mit seinem Herzen stand Prinz Heinrich seit jeher trotz warmer Freund-schaft für seinen Schwager, den Kaiser Nikolaus , mehr auf englischer alsauf russischer Seite. So schrieb er am 28. Oktober 1898 aus Tsingtau anseinen Bruder:Ich halte die langsame, aber stetige Entwicklung Ruß-lands im Osten nach wie vor für einen bedenklichen Faktor, der deutscheund englische Interessen in China leicht gefährden kann. Seit der Besitz-ergreifung von Port Arthur ist Rußland in eine bedenkliche Nähe vonPeking geraten. Die Mandschurei wird bereits beeinflußt und langsamrussifiziert. Korea dürfte nur eine Frage der Zeit sein! . . . Deine freund-lichen Beziehungen zu Nicky habe ich wiederholt betont, und ich glaubesagen zu dürfen, zur allgemeinen Zufriedenheit, wenngleich meine Äuße-rungen zu einer Zeit fielen, da Du unserer alten Waffenbrüderschaft mitEngland gedachtest, was ich selbst im Innersten meines Herzens mit Freu-den begrüßte."

In jenen Dezembertagen 1897 führte Wilhelm II. die ungünstige Beur-teilung seines Kieler Festes sofort auf die persönliche Feindschaft des eng-lischen Premierministers Lord Salisbury gegen das Deutsche Reich und denDeutschen Kaiser zurück. Bekanntlich war Kaiser Wilhelm mit dem eng-lischen Premierminister bei einem seiner ersten Besuche in England , nachseiner Thronbesteigung, lange vor meinem Amtsantritt, persönlich anein-andergekommen. Lord Salisbury hatte den Kaiser unruhig und anspruchs-voll, Wilhelm II. den englischen Premier hochmütig und arrogant gefunden.Englische Freunde haben mir erzählt, die bedauerliche und politisch schäd-liche, aber unbestreitbare und mit den Jahren zunehmende Antipathie desmächtigen englischen Staatsmannes gegen den Deutschen Kaiser wäreauch darauf zurückzuführen, daß der Marquis of Salisbury, trotz gelegent-licher politischer Friktionen ein Bewunderer des Fürsten Bismarck, über