DAS MEERSCHWEINCHEN HERMANN
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Fürsten Bismarck, zutrug, weil er nach dem Münchener Posten ihres Gattenstrebte. Er sagte ihr unter anderem nach, daß sie mit einem Meerschwein-chen einen abgöttischen Kultus getrieben hätte. Das Tier, von ihr auf denHeldennamen „Hermann" getauft, wäre in ihren Armen gestorben. Siehätte es dann in einen Miniatursarg gelegt und es in ihrem Schlafzimmerzwischen vier hohen silbernen Leuchtern mit brennenden Kerzen auf-gebahrt. Schließlich sei das Meerschweinchen in Friedrichsruh in einerKapelle beigesetzt worden. Natürlich war an der ganzen Geschichte mitdem Meerschweinchen kein wahres Wort.
Am Tage des Regierungsjubiläums, am 16. Juni 1898, schrieb mir dieKaiserin Auguste Viktoria: „Da Mann und Frau zusammengehören, kann Dankbriefich nicht umhin, am Jubiläum des Kaisers Ihnen ein Wort des Dankes zu der Kaisersenden, denn durch Ihre Hilfe ist dem Kaiser mancher Ärger erspart wor-den, und es ist ihm gottlob gelungen, manche Pläne zum Wohle des Landesauszuführen. Ich sende Ihnen dieses Bild als ein Zeichen, daß auch ich anmeinem Teil versuchen will, für den Kaiser zu arbeiten, und wäre es auchmanchmal nur, um ihn zu beruhigen in seiner gehetzten Zeit, in der oftPläne und Entschließungen sich überstürzen. Wie oft habe ich früher inruhigeren Zeiten mit Ihrem armen Bruder Adolf für den damaligen Prinzenverhandelt, auch bei ihm war ich stets überzeugt, daß er alles nur im aller-besten Sinne für den Kaiser überlegte. Stets Ihre herzlich ergebeneViktoria." Mit diesem Brief übersandte mir die Kaiserin ihr Bild, das ichseitdem und noch heute auf meinem Schreibtisch stehen habe, denn eserinnert mich an eine gute, im Kiemen und im Großen treue Frau.
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