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1 (1930) Vom Staatssekretariat bis zur Marokkokrise
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SALISBURY VERMEIDET ÄUSSERUNG

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durchblicken ließ, daß Frankreich und Rußland , letzteres wegen des Suez-kanals, sich längst in afrikanischen Fragen gegen England gewandt habenwürden, wenn wir nicht ihrem Wunsche, Ägypten hineinzuziehen, bis jetztentschieden im Wege gestanden hätten, erwiderte er mir:Oui, tout iraitencore bien si nous avions toujours Caprivi." Auf meine Frage,was er denn dem jetzigen Herrn Reichskanzler vorzuwerfen habe, sagte er:II a une femme russe." Ich erwiderte:Vous oubliez qu'elle est morte."Darauf er:Oui, mais ils ont de grandes proprietes en Russie qui dependentdu gouvernement russe." Ich brauche wohl nicht hinzuzufügen, daß ich esals lächerlich bezeichnete, dem Fürsten Hohenlohe hervorragende russischeSympathien zuzuschreiben, weil die verstorbene Fürstin eine einzige Be-sitzung in Rußland vorläufig behalten habe. Sie sehen aber aus diesen hin-geworfenen konfidentiellen Äußerungen, wie groß das Mißtrauen gegenunsere Absichten ist. Das hat auch seine gute Seite; denn die fragliche Be-sorgnis der Engländer ist, wie die Dinge liegen, der einzige Druck, den wirhier ausüben können, um koloniale Zugeständnisse zu erreichen. Sie werdenbemerkt haben, daß Salisbury bis jetzt sorgfältig vermieden hat, über dievon mir formulierten Vorschläge eine bestimmte Ansicht zu äußern undauch nur annähernd anzugeben, wie er sich seinerseits die Auseinandersetzungzwischen uns denken würde. Infolge dieser Haltung befindet er sich in derangenehmen Lage, 1. mir gegenüber in bezug auf jeden Punkt lediglich zusagen, daß wir viel zuviel verlangen, und 2. uns, wie auch eventuellanderen gegenüber, geltend zu machen, daß er überhaupt nichts von unsverlangt und uns auch nichts angeboten, sondern lediglich unsere höchstunbescheidenen Vorschläge angehört habe. Es blieb, wie die Dinge liegen,nichts übrig, als infolge seiner Frage unsere Forderungen im großen undganzen anzugeben, aber wir dürfen ihn meines Erachtens keinen Augenblicklänger als nötig in der von ihm eingenommenen bevorzugten Stellunglassen. Mit anderen Worten: Wenn es zu einer weiteren Besprechung überdie Auseinandersetzung zwischen uns überhaupt noch kommt, gedenke ichden Spieß sofort umzudrehen, jede weitere Erläuterung über die von mirformulierten Punkte abzulehnen und mich auf den Standpunkt zu stellen,daß es jetzt seine Sache sei, mir mitzuteilen, zu welchen Konzessionen manhier in bezug auf die portugiesischen Kolonien Afrikas uns gegenüber bereitsei. In bezug aufChamberlain möchte ich hier nochmals hervor-heben und bitte Sie, dies eventuell geltend zu machen, daß mirjede Möglichkeit fehlt, mit ihm in direkten geschäftlichenVerkehr zu treten, ohne mich mit Salisbury zu entzweien undmeine weitere amtliche Tätigkeit hier vollständig nutzlos zumachen. Aus allen Äußerungen Salisburys seit seiner Rückkehr gingstets unverkennbar hervor, daß er es zwar natürlich findet, daß ich die