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das noch wenig oder gar nicht von europäischer Kultur beeinflußt worden istund bei welchem gelegentlich der Verhandlungen wohl zu überlegen ist,wann der Augenbhck des Brüskierens und wann der Milde und des Nach-gebens am Platze ist. So unglaublich die jüngsten Pekinger Ereignissescheinen mögen, sie gehören zur Geschichte dieses Riesenreiches wie unsereauf heimischem Boden gelieferten Kämpfe und Schlachten. Solche Mo-mente geschickt auszunutzen, den Chinesen ihre schwache Seite zu zeigen,ihnen gleichzeitig Vertrauen in unsere Regierung beizubringen, dazu sindunsere Vertreter berufen. Das Gesagte soll nur eine flüchtige Skizzesein, und mag mein brennendes Interesse für die Fortentwicklung derdeutschen Sache den Inhalt dieser Zeilen vor Ihren Augen entschuldigen.Ich verbleibe, mein lieber Herr von Bülow, mit den aufrichtigsten Wünschenfür ein frohes Weihnachtsfest und ein glückliches neues Jahr Ihr sehr treuund stets dankbarst ergebener Heinrich Prinz von Preußen."
Das Jahr 1898 bot die Möglichkeit, unseren Kolonialbesitz durch zweiErwerbung Erwerbungen zu bereichern, die für das deutsche Volk auch einen Gefühls-derKarolinen wert hatten. In Samoa und auf den Karolinen besaßen wir erheblicheund Samoas -wirtschaftliche Interessen. Die eine wie die andere dieser beiden Inselgruppenbot unserem Handel und unserer Flotte erwünschte Stützpunkte. AlleVerständigen waren darüber einig, daß Fürst Bismarck 1885 wohl daran ge-tan hatte, nicht gegen den damaligen hitzigen Widerspruch des spanischen Volkes von den Karolinen Besitz zu ergreifen, wie dies in jener Zeit derstürmische Herbert Bismarck wollte. Es war ebenso richtig, daß sich FürstBismarck 1889 mit der durch die Berliner Samoa-Konferenz zwischenDeutschland, England und Amerika eingesetzten Dreiherrschaft auf Samoazufriedengab, obwohl diese Lösung weder für die Ruhe in Samoa noch fürunsere speziellen deutschen Interessen besonders vorteilhaft war. Aber inweiten Kreisen des deutschen Volkes lebte die Hoffnung fort, daß sich fürSamoa wie für die Karolinen einmal Gelegenheit finden würde, nachzuholen,was in der Konstellation der achtziger Jahre unterlassen werden mußte.Anfang März 1899 meldete mir ein Telegramm, daß nach längeren Streitig-keiten zwischen dem deutschen , dem englischen und dem amerikanischenKonsul in Samoa englische und amerikanische Kreuzer Apia bombardierthätten. Gleichzeitig wären deutsche Kolonisten widerrechtlich verhaftetworden. Ich befand mich, als diese Hiobspost anlangte, in Flottbek , begabmich aber sofort nach Berlin . Am Bahnhof erwartete mich Holstein, ummir in lebhafter, aber, wie mir schien, gespielter Erregung zu sagen, dieeinzige Möglichkeit, aus dieser üblen Situation herauszukommen, wäre,daß ich meinen Abschied einreichte, nachdem mir ein solcher Ziegelsteinauf den Kopf gefallen wäre. Ich entgegnete dem unverbesserlichen Quer-kopf mit vollkommener Ruhe, daß eine solche Lösung für mich manches