DAS SCHUTZGEBIET IM PAZIFIK
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Pikiertheit." Diese Verschiedenheit der heiden Nationen tritt nur zu oftauch in der Politik hervor. Die deutschen Kritiker, die 1899 an der Erwerbungder Karolinen und Marianen mäkelten und den Wert dieser Inselgruppenach Möglichkeit herabsetzten, werden, wenn sie noch leben, heute ver-mutlich gerade der entgegengesetzten Ansicht sein. Jedenfalls beweisen dieDifferenzen, die nach dem Weltkrieg zwischen Japan, Amerika und Au-stralien wegen einzelner Karolinen-Inseln entstanden, welchen hohen Wertandere Mächte gerade auf diese Inseln legen.
Für uns wurde durch die Karolinen und Marianen unser Schutzgebietim Großen Ozean in ein zusammenhängendes Ganzes verwandelt. Mit demBismarck-Archipel und dem Kaiser-Wilhelm-Land im Süden, den Mar-schall-, Karolinen- und den Palau-Inseln in der Mitte, den Marianen imNorden besaßen wir jetzt einen festen Stützpunkt für unsere wirtschaftlicheund allgemein politische Entwicklung in Ozeanien. Ich durfte im Reichstagauch hervorheben, daß durch die Erwerbung der Karolinen unsere Be-ziehungen zu Spanien in keiner Weise geschädigt worden waren. FürSpanien seien die Inseln nur noch Bruchstücke eines eingestürzten Ge-bäudes gewesen, für uns wären sie die Pfeiler und Strebebogen für einen„so Gott will" zukunftsvollen Bau. Ich konnte damals, am 22. Juni 1899,nicht voraussehen, daß, wie das hoffnungsvolle Schantung mit Kiautschou,so auch Samoa, die Karolinen und Marianen uns verlorengehen würden,als wir trotz aller Warnungen, die unser größter Staatsmann schon alsBundestagsgesandter in Frankfurt und bis in seine allerletzten Lebenstageerhoben hatte, uns von Österreich das Leitseil überwerfen und wegenSerbiens in einen Weltkrieg hineinziehen Keßen.
Nach Empfang der Nachricht von der Annahme der Karolinen -Vorlagedurch den Reichstag telegraphierte mir Wilhelm II. am 22. Juni 1899: Graf Bülow„Mit hoher, freudiger Genugtuung habe ich Ihre Meldung über die Annahmeder Karolinen -Vorlage durch den Reichstag in dritter Lesung erhalten.Ich danke Gott , daß er es also gefügt hat und daß die Erwerbung auch dembraven Schiff ,Iltis' als ehrende Rechtfertigung angesehen werden kann.Nächst Ihm danke ich Ihnen auf das wärmste, daß Sie dieses Perlenjuwelmeiner Krone haben erwerben helfen. Um meinem Dank hierfür besonderenAusdruck zu verleihen, erhebe ich Sie in den Grafenstand, da Sie es mirermöglicht haben, mein bei der Thronbesteigung meinem treuen deutschenVolke gegebenes Versprechen zu halten: allezeit in Frieden Mehrer desReichs zu sein. Gott segne Sie dafür und unser ganzes Vaterland." WenigeStunden später erhielt ich ein zweites Telegramm des Kaisers, das charakte-ristisch war für die Wärme seines Gefühls wie für seinen romantischen Sinnund die poetische Färbung, die er seinen rednerischen und schriftlichen Aus-lassungen zu geben bebte: „Auf mein Signal hat die Flotte soeben freuden-