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1 (1930) Vom Staatssekretariat bis zur Marokkokrise
Entstehung
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BURENKRIEG BIS ZUM ENDE

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lange vor dem Tode der armen Kaiserin Friedrich. Es waren keine Hof-staaten anwesend, nur die Kaiserin, ihr ältester Sohn, meine Frau und ich.Kaiser Wilhelm sprach nach seiner Gewohnheit sehr lebhaft, aber nichtallzu laut, als ihm seine Mutter mit schmerzlichem Ausdruck sagte:Please,do not speak so loud." Und seufzend fügte sie hinzu:Germans have tooften the bad habit to speak very loud." Nach Aufhebung der Tafel verließdie Königin unter demselben Zeremoniell, wie sie gekommen war, denEßsaal und wurde in eine Galerie getragen, wo der Cercle begann. DerKönigin gegenüber standen ihre Söhne und Enkel, die sie einzeln mit demFinger heranwinkte, um ihnen die Hand zum Kusse zu reichen, was vonSeiten der Prinzen in der ehrerbietigsten Weise erfolgte. Ich hatte inzwischenlängere und zum Teil interessante Unterredungen mit mir von früherbekannten engbschen Hof leuten und Ministem wie auch mit manchen deranwesenden Diplomaten. Sie stimmten alle darin überein, daß man inEngland an dem Endsieg über die Buren nicht zweifle, obwohl die letztenNachrichten vom Kriegsschauplatz ungünstig lauteten. Alle Welt in Eng-land sei für Durchhalten. Gegen Chamberlain, welcher der eigentlicheUrheber des Burenkrieges sei, herrsche viel Verstimmung. Lord Salisbury habe den Krieg nicht gern gesehen. Nun ihm aber dieser durch Chamberlaineingebrockt worden wäre, werde der Premierminister mit dem ganzen Stolzund dem ganzen Selbstvertrauen, das er als Engländer wie als Sproß derFamilie Cecil empfinde, den Krieg bis zum bitteren Ende durchführen. Mitbesonderer Freundlichkeit kam, obwohl er uns als Weife die Annexion Han-novers lange nicht verziehen hatte, der alte Herzog von Cambridge , derlangjährige Oberbefehlshaber der britischen Streitkräfte, den deutschen Gästen entgegen. Er sagte mir die schönen Worte:Der Krieg in Südafrikageht vorläufig nicht besonders, über seine politische Seite und Entstehungläßt sich viel sagen. Aber er gibt dem engbschen Adel Gelegenheit, zuzeigen, daß er noch zu sterben weiß, und das freut mich."

Als ich nach der Galatafel mich auf mein Zimmer begab, fand ich dort dennachstehenden Brief des Botschafters vor, der mir unter dem 19. November Hatzfeldt über1899 aus Brighton schrieb:Leider habe ich mir hier, wo ich mich zu er- ^ e S c '"^ menholen und zu kräftigen hoffte, eine starke Erkältung zugezogen, die mich i unaenseit mehreren Tagen an das Zimmer fesselt, und der Arzt will mir nichtgestatten, schon jetzt eine längere Eisenbahnfahrt zu unternehmen. Wieschmerzlich es mir ist, nicht einmal zum Empfang in Windsor sein zukönnen, brauche ich wohl kaum zu sagen. Ich halte aber an der Hoffnungfest, mich Dienstag oder spätestens Mittwoch bei S. M. melden und EureExzellenz dann aufsuchen zu können. Für den Fall, daß ich nicht Gelegenheithaben sollte, Eure Exzellenz vor Ihrer ersten Begegnung mit Salisbury zusehen, glaube ich das Nachstehende ganz vertraubch bemerken zu dürfen: