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1 (1930) Vom Staatssekretariat bis zur Marokkokrise
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DER DEUTSCHE BARON

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warf, daß er sich gegen sie und ihren verewigten Gemahl während dessenLeidenszeit in San Remo falsch und undankbar benommen hätte, und denAdmiral von Senden, dessen Brouille mit dem Prinzen von Wales ich schonerwähnte.

Unter den Eingeladenen in Sandringham befand sich auch der Attacheder deutschen Botschaft, Herr von Eckardstein. Er hatte als Leutnant bei Attacheden 6. Kürassieren in Brandenburg an der Havel gestanden und war später Ecka,zu unserer Botschaft in Washington kommandiert worden, wo er durcheinen kleinen Coup die Aufmerksamkeit von Herbert Bismarck auf sichzog. Eckardstein machte nach einem Diner, das er mit diplomatischenKollegen im ersten Stock eines Restaurants eingenommen hatte, die Wette,daß er früher als die anderen auf der Straße stehen würde. Dies gelang ihmauch, da alle die Treppe hinunterliefen, er aber aus dem Fenster sprang,wobei er sich zwar den Fuß verstauchte, aber die Wette gewann. DieseKraftprobe gefiel Herbert Bismarck , der für dergleichen Späße viel Sinnhatte. Er Keß Eckardstein, der eigentlich zu seinem Regiment hätte zurück-kehren sollen, noch ein Jahr zur Botschaft in London kommandieren, womehr los war als in der alten Stadt an der blauen Havel , wo sich BurggrafFriedrich von Nürnberg 1412 als erster Hohenzoller von märkischen Män-nern huldigen Heß. In London fiel dem jungen Kürassierleutnant das großeLos in den Schoß. Es gelang Eckardstein, die Hand einer hübschen, liebens-würdigen und dazu sehr reichlich mit Glücksgütern gesegneten jungenDame zu erobern. Sie war die einzige Tochter des Sir John Blundell Maple,des größten Möbelfabrikanten in England , der, entzückt, einengermanbaron" zum Schwiegersohn zu bekommen, ihn testamentarisch zu seinemUniversalerben einsetzte, was Eckardstein die Anwartschaft auf vierzigbis fünfzig Millionen Mark gewährte, in der Vorkriegszeit immerhin eineerkleckhche Summe.

Eckardstein hatte sich durch seine Heirat eine gewisse Stellung in derenglischen Gesellschaft gemacht. Es war ihm namentlich gelungen, nähereBeziehungen zu dem Kolonialminister Chamberlain anzuknüpfen, und sokam ich auf den Gedanken, ihn vom Attache zum Botschaftsrat avancierenzu lassen und zum Nachfolger von Pückler zu machen. Es war dies, wie dieFolgezeit bewies, kein glücklicher Griff von mir. Hätte ich damals gewußt,wie völlig sich Eckardstein von dem unendlich viel bedeutenderen Cham-berlain beherrschen Heß, hätte ich namentlich geahnt, wie sehr Eckard-stein dazu neigte, Börsenspekulationen zu unternehmen, an denen er schließ-lich finanziell und moralisch zugrunde gehen sollte, so würde ich diesenFehler nicht begangen haben. Und doch hatte mich Graf Paul Metternichgewarnt, damals Gesandter in Hamburg , früher Botschaftsrat und späterBotschafter in London . Dieser, mit Graf Paul Hatzfeldt wohl der beste