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POLITIK DER SICHERUNG
erworben hätten. Der in manchen Zentrumskreisen herrschende Argwohn,daß wir eine „protestantische "Weltpolitik" treiben wollten, wäre mir unver-ständlich. Ich hätte in meiner Politik in Ostasien wie in Kleinasien hin-reichend gezeigt, daß mir die katholischen Interessen gerade so am Herzenlägen wie die evangelischen. Ich triebe weder protestantische noch katho-lische, sondern nur deutsche Politik. Offensive Tendenzen lägen uns völligfern, wir wollten keine abenteuerliche und keine phantastische Politik, wirwollten uns nur in wirtschaftlicher wie in politischer Beziehung auch ferner-hin im Frieden entwickeln. Gegenüber dem Abgeordneten Richter kon-statierte ich, daß in Samoa das Verhalten unserer Offiziere korrekt, vor-sichtig und zurückhaltend gewesen wäre. Unsere Marineoffiziere wärensogar, ungerechterweise, getadelt worden, weil sie nicht früher und schärfereingeschritten wären. Unsere konsularischen Agenten hätten sich strengauf dem Boden der damals gültigen Samoa-Akte gehalten. Nichtsdesto-weniger seien plötzlich englische und amerikanische Schiffe vor Samoaerschienen, sie hätten deutsches Eigentum beschossen und zerstört und dieSamoa-Akte verletzt. Nur durch Anwendung energischer diplomatischerDruckmittel wären die Engländer zu bewegen gewesen, auf den gerechtenund verständigen Vorschlag der Einsetzung einer gemeinsamen Kom-mission der drei Mächte in Samoa einzugehen. Die Art und Weise, wie dieenglische öffentliche Meinung die Samoafrage behandelt hätte, beweise,wie prekär unsere Lage gegenüber England bei der jetzt dort herrschendenimperialistischen und chauvinistischen Stimmung und Strömung gewordenwäre. Der Entsendung unserer Flotte nach Manila hätte ich nur beige-stimmt, um die dortigen erheblichen wirtschaftlichen deutschen Interessenzu schützen. Jede feindliche Tendenz gegen Amerika läge uns völlig fern.Aber auch in den Vereinigten Staaten sei seit dem amerikanisch-spanischenKriege die Stimmung von Regierung und Volk so chauvinistisch geworden,daß die bloße Anwesenheit deutscher Schiffe genügt habe, eine, von mirglücklicherweise wieder beigelegte, Spannung herbeizuführen. Solche Vor-fälle zeigten, welchen Gefahren der Friede bei unserer jetzigen Schwächezur See ausgesetzt sei. Gegenüber dem Abgeordneten Bebel führte ich aus,daß zwischen der Flottennovelle und meiner friedlichen Politik gegenüberEngland kein Widerspruch bestehe. Beide hätten denselben Zweck, nämlichden, die Aufrechterhaltung des Friedens zu sichern. Wir wollten unsereFlotte verstärken, weil wir hierin eine Sicherung gegen die Gefahr einesenglischen Angriffs erblickten: wir verfolgten eine auswärtige Politik, welchedie englische Empfindlichkeit sorgsam schone, weil wir nicht mit England in einen Konflikt geraten wollten. Gegenüber der Kritik, die an dem Kaiser-besuch in England , an der Südsee-Abmachung über Samoa und an demdeutsch -englischen Abkommen über Südafrika als Symptomen übertriebenen