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1 (1930) Vom Staatssekretariat bis zur Marokkokrise
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MAPLES SCHWIEGERSOHN

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Grundgedanke richtig ist, so bitte ich, daß der Staatssekretär mir seineZustimmung zu erkennen gibt, damit ich die etwaigen weiteren Besprechun-gen zwischen Eckardstein und Chamberlain, Balfour usw. (ich selbst darfdabei noch nicht in den Vordergrund treten) in diesem Sinne leiten kann.Namentlich von Balfour nehme ich an, daß er Verständnis für die Situationhaben und uns daher nützlich sein wird. Chamberlain ist, wie ich Ihnenimmer gesagt habe, unberechenbar. In bezug auf Salisbury habe ich einintuitives Gefühl, mehr ist es vorläufig nicht, daß er heute schon wiederdaran denkt, sich den Russen und Franzosen zu nähern, sie durch Freund-lichkeit und Entgegenkommen auf anderen Gebieten, nötigenfalls auchdurch wirkliche Konzessionen zu beruhigen und von einem gemeinschaft-lichen Vorgehen gegen England abzuleiten. Gelingt es ihm, nur in Peters-burg einer feindlichen Aktion vorzubeugen, so fürchtet man sich hier be-kanntlich vor Frankreich allein keinen Augenblick, und es gibt Leutegenug, wie Chamberlain, die sich über die Gelegenheit, die französischeFlotte zu vernichten und einige französische Häfen zusammenzuschießen,ganz'besonders freuen würden. Die Münsterschen Nachrichten über fran-zösische feindliche Absichten gegen England halte ich für sehr phan-tastisch. Wenn alles, was unser Botschafter in Paris von französischen Be-wegungen sagt, richtig ist, so beweist es noch lange nicht, daß die Fran-zosen im entscheidenden Moment beißen und nicht, wie bei Faschoda, denSchwanz zwischen die Beine nehmen. Ich halte dies sogar für sicher, wenndie Russen sich nicht zum gleichzeitigen feindlichen Losgehen ausdrücklichverpflichtet haben, was ich stark bezweifle."

Im Juni 1900 hatte mir Holstein gemeldet, Botschaftsrat von Eckard-stein habe ihm geschrieben, daß sich die Engländer ein territoriales Fest- Die Rolle dessetzen der Deutschen im Jangtse -Tal nicht gefallenlassen würden. Schon Herrnder Verdacht, daß Deutschland politische Erwerbungen im Jangtse -Gebiet ^ ^ aT ^ ste "ins Auge fassen könne, sei geeignet, die Engländer zu den allergrößtenAnstrengungen anzuspornen behufs Verständigung mit Rußland . Eckard-stein entwickelte sich immer mehr zum Sprachrohr namentlich vonMr. Chamberlain, der den eitlen, wenig charaktervollen und schon ausfinanziellen Erwägungen ganz zum Engländer gewordenen Schwiegersohnvon Sir John Blundell Maple benutzte, um die Deutschen einzuschüchtern.Ich hatte übrigens niemals an eine territoriale Festsetzung im Jangtse -Talgedacht, geschweige denn im Gegensatz zu England und im Widerspruchmit England. Eckardstein schrieb auch an Holstein, daß Lord Salisbury zueiner Verständigung mit jeder anderen Macht eher als mit Deutschland bereit wäre. Jede positive Politik sei dem Premierminister unangenehm,und es werde eines starken Drucks seiner Ministerkollegen bedürfen, um denkranken alten Herrn zu einer Entscheidung zu bringen. Das ganze übrige