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DIE MUMMS
liebere Behandlung japanischer Prinzen und Diplomaten zu gewinnen.Ich bemühte mich namentlich immer wieder, die endliche Beseitigung desunseren Ostasien -Dampfern aufgenötigten ominösen und für den Japanerbeleidigenden Bildes zu erreichen, wo Deutschland den europäischenNationen den heiligen Krieg gegen den armen Buddha predigt. Aber meineVorstellungen prallten an dem Eigensinn des Kaisers ab, der bei anschei-nend oder verhältnismäßig geringfügigen Anlässen noch stärker hervortratals in großen Fragen. Er fuhr fort, von der „gelben Gefahr" zu sprechenund von einem „Kreuzzug" der Weißen gegen die Gelben zu phantasieren.
Nach seiner Rückkehr aus Ostasien schrieb mir Prinz Heinrich vonseinem Gut Hemmelmarck bei Eckernförde : „Gewiß ist Reden Silber undSchweigen Gold, doch wird es mir furchtbar sauer, bei den jetzigen Ver-hältnissen den Mund ganz zu halten, und ich muß mir, vertrauend auf dieübbehe Nachsicht, Luft machen! Mir will scheinen, als ließe das Strohfeuerder Chinesen endlich nach. Die Einnahme von Tientsin, Deutschlands undder übrigen Mächte energische Haltung wirken! Der Süden Chinas istimmer noch ruhig. Japan beträgt sich musterhaft und verdient volleAnerkennung. Rußland hat alle Hände voll zu tun. Daher gebe man demRussen, was des Russen ist, und Japan, was Japans ist! Wir können gut-machen, was wir seinerzeit mit Liaotung verfahren haben! Man lasse denRussen ihren Teil der Mandschurei und einen Teil Koreas und den Ja-panern den anderen Teil der koreanischen Halbinsel. England wird sichhierzu gewiß bereit erklären, und hätten wir Frieden unter den Mächten.Japan alle Anerkennung einer Großmacht zollen, ist nicht mehr dennklug."
In den stillen Zeiten, wo sich die Vertreter von dreiunddreißig deutschenGesandter Regierungen jeden Donnerstag in dem stattlichen Palais des Fürsten Mumm von Thum und Taxis in der Eschenheimer Gasse in Frankfurt am Main zu ver-sammeln pflegten, vertrat mein Vater für die Herzogtümer Holstein undLauenburg das Königreich Dänemark. Dänischer Konsul in Frankfurtam Main war damals ein angesehener Frankfurter Kaufmann aus alterpatrizischer Familie, der von Österreich unter dem Namen Mumm vonSchwarzenstein nobüitiert wurde. Der Sohn Mumm wurde Anfang derneunziger Jahre als Legationssekretär der Kaiserlichen Gesandtschaft inBukarest zugeteilt, während ich dort als Gesandter tätig war, und ich fandGelegenheit, seine Pflichttreue, seine Arbeitskraft, seine Kenntnisse zuschätzen. Speziell von wirtschaftlichen und handelspoUtischen Fragenverstand er mehr als die meisten deutschen Diplomaten jener Tage. AlsHerr von Ketteier von den Chinesen ermordet worden war, Heß ich Herrnvon Mumm zu mir bitten und frug ihn, ob er die Nachfolge übernehmenwolle. Er nahm mein Anerbieten sogleich und mit sichtlichem Vergnügen
Schwarzen-stein