sehen Fraktion. Sohn einer armen Pfälzer Magd, hatte er durch angeboreneBegabung, aber auch durch unermüdlichen Fleiß sich eine tüchtige Bildungerworben und war fortdauernd bemüht, die Lücken seines Wissens zu er-gänzen. Der Vertreter der „Kölnischen Zeitung" in Berlin , Herr von Huhn,erzählte mir gelegentlich, daß er bei einem gemeinsamen Mittagessen demAbgeordneten Auer sein Erstaunen über dessen Vertrautheit nicht nur mitunserer Gesetzgebung, sondern auch mit unserer gesamten inneren Politikausgesprochen habe. Mit einem wehmütigen Lächeln habe ihm Auer, halbim Scherz und halb im Ernst, erwidert: „Ich würde all mein Wissen darumgeben, wenn ich genau wüßte, ob man Fisch und Spargel nur mit der Gabeloder auch mit dem Messer essen kann." Ich habe auf Männer wie Auerimmer nur mit Sympathie geblickt, mit großer Achtung und mit Verständ-nis für ihre Ideale. Es war, nebenbei gesagt, Herr von Huhn, der meine Auf-merksamkeit auf den späteren Abgeordneten Eduard Bernstein lenkte, derdamals als Flüchtling in London lebte, da ihm infolge einer früheren Ver-urteilung die Rückkehr nach Deutschland versagt war. Ich ließ die An-gelegenheit in Ordnung bringen, und Eduard Bernstein konnte nachDeutschland zurückkehren, wo er im Reichstag und in der sozialdemo-kratischen Fraktion eine bedeutsame Rolle spielen sollte, nicht immer zurFreude des fanatischen August Bebel , aber mit zweifelloser Ehrlichkeitund Überzeugungstreue. Von allen Parteien war uns gesagt worden, dieVoraussetzung für eine Beilegung des durch die Zwölftausend-Mark-Affärehervorgerufenen Skandals sei, daß Graf Posadowsky nicht selbst das Wortergriffe. Andernfalls wären tumultuarische Szenen zu erwarten. Graf Posa-dowsky nahm also neben mir Platz, beteiligte sich aber nicht an der De-batte. Ich hob in meiner Rede hervor, wie lächerlich es wäre, bei diesem An-laß von einem „Panama " und von einer „Maffia" zu sprechen. Das franzö-sische Panama wäre wirklich ganz anders gewesen, und die sizilianischen„Maffiosi" schauten nicht aus wie Berliner Geheimräte. Ich erklärte mitNachdruck, daß ich die eminente Arbeitskraft, die Geschäftserfahrung, dieKenntnisse und den Charakter des Grafen Posadowsky trotz aller gegen ihngerichteten Angriffe immer gleich hochstelle. Im vollen Einverständnis mitihm selbst wäre ich jedoch der Ansicht, daß derartige Wege in Zukunft nichtwieder eingeschlagen werden sollten. Uber diese meine Auffassung undWillensmeinung als des allein im Reich leitenden Ministers hätte ich dasbeteiligte Ressort nicht im Zweifel gelassen. Ich stünde auch nicht an, trotzdes guten Glaubens, in dem die beteiligten Beamten gemeint hätten einerVorlage der verbündeten Regierungen zu dienen, den dabei eingeschlagenenWeg als einen Mißgriff zu bezeichnen. Zu weiteren Maßnahmen sähe ichmich nicht veranlaßt, denn vor Intrigen und Angriffen aus dem Hinterhaltbeugte ich mich nicht, vor dunklen und unlauteren Machenschaften wiche
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten