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Morgen-Artikel noch ganz besonders lobend hervor, wie Eure Exzellenznicht nur mit Fürstlichkeiten, Staatsmännern und Diplomaten Berührunggesucht, sondern auch der tüchtig emporstrebenden Bürgerschaft derbayrischen Besidenzstadt grüßende Achtung bekundet hätten."
Der Verehrung und Liebe, die der Gesandte für mich hegte, genügte aberdiese amthche Meldung nicht. Noch am gleichen Tage schrieb Graf Monts an meine Gattin: „Gnädigste Gräfin, da Sie vermutlich vom Besuch beider armen Kaiserin Friedrich vor Ihrem Gatten nach Berlin zurückkehren,möchte ich Ihnen kurz über Bernhards hiesige Erfolge berichten. Er hatauf hoch und niedrig den allerbesten Eindruck gemacht, und brachte ihmsogar Publicus bei der Abfahrt ein lebhaftes spontanes Hoch aus. Der alteRegent, keineswegs leicht zu kaptivieren und im Grunde nur und ausschließ-lich an seine hohe Person denkend, ist entzückt, so äußerte er zu verschie-denen Persönlichkeiten; dito die Minister, dito u. a. auch Berchem, der,wie Sie wissen, keineswegs von Wohlwollen für B. früher überfloß. Ichdenke, Bernhard hat sich hier recht viele Freunde erworben, das Terrainvorher ebneten freilich seine Leistungen und Beden; an Feinden fehlt esihm in gewissen Kreisen ja ohnehin nicht, um so mehr werden wir hierarbeiten, um ihm im Reich die neugewonnenen Stützen auch ferner dienst-willig zu erhalten. Ich habe mich übrigens recht gefreut, B. so frisch und inbester geistiger wie körperHcher Disposition zu sehen. Und doch war dieChina- und Krüger-Campagne keine Kleinigkeit, und in aller Schwere fühlter auf sich die Verantwortlichkeit lasten. Hoffentlich macht Lenbach seineSache gut. Er baissierte in letzter Zeit unendlich, bzw. malte nur nochfabrikmäßig fürs liebe Geld. Seine Frau drückt auf ihn sichtlich und möchteaus seinem Talent möglichst viel Geld herausquetschen, ehe dem immermüden Meister der Tod den Pinsel aus der Hand nimmt. Dabei ist L. sehrreizbar, oft kommt der Bauer in elementarer Grobheit durch. In derKünstlerschaft, oft von ihm vergewaltigt, gärt es, sie wollen ihm die Prä-sidentschaft nehmen und dergleichen mehr. Vielleicht aber rafft sich L.bei dem Bild von Bernhard nochmals auf, auch alternden Künstlern ge-lingen ja mitunter noch große Würfe. Nun aber zum Schluß. Sie habenjetzt viel mit Weihnachten und noch mehr mit der Einrichtung des Palaiszu tun. Es wird gewiß une merveille an Geschmack und Schönheit werden.Donna Lauras Rat und Hilfe dabei wird mehr wert sein wie die Hand-reichung aller Berliner Stobwasser und Genossen. Möge Ihnen ein gutesFest beschieden sein. Bitte, legen Sie mich Donna Laura zu Füßen undgrüßen Sie den alten, ehrlichen Lichnowsky. In stets gleicher Verehrungund Dankbarkeit Ihr gehorsamst getreuer Monts." Der Angriff, den GrafMonts gegen Lenbach richtete, war ungerecht. Lenbach war ein großerKünstler und ein edler Mensch. Dem Genius seiner Kunst wird noch gehuldigt