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1 (1930) Vom Staatssekretariat bis zur Marokkokrise
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DREI SÜDDEUTSCHE ARISTOKRATEN 493

von Überfluß sei, Ihnen noch weitere Wünsche auszusprechen. Aber ichmeine, etwas gibt es, was man jedem wünschen kann und was mehr wertist als die äußeren Ehren und Erfolge, das ist, wie schon Schopenhauerausgeführt hat, die Gesundheit. Und das wünsche ich Ihnen und namentlichdem Reichskanzler, daß er sich dieselbe bei seiner aufreibenden Tätigkeitbewahre, damit er lange Jahre an der Stelle erhalten bleibe, an der geradeer wie kein anderer Großes und Nützliches wirken kann. Es wird Ihnen inder letzten Zeit gewiß soviel Schmeichelhaftes über ihn zu Ohren gekommensein, daß es fast banal aussieht, wenn ich in diesen Chor einstimme. Aberich muß Ihnen doch sagen, daß ich seine Reden im Reichstag meisterhaftgefunden habe, sowohl in der Form wie in der Sache. Und was mich daranzwar nicht erstaunt, aber besonders gefreut hat, das war, daß er sich inihnen nicht nur als ein hervorragend geschickter Politiker und Staatsmanngezeigt hat, sondern auch als ein selbständiger Charakter nach allen Seitenhin. Das ist es gerade, was wir so notwendig haben und was die hohe Mei-nung, die ich stets von ihm hatte, wenn möglich noch verstärkt hat. Ichbin sehr gespannt, zu sehen, in welches Zauberschloß Sie inzwischen dasalte Reichskanzlerpalais verwandelt haben werden! Von meinem Vaterhabe ich unberufen sehr gute Nachrichten aus Meran ."

Alexander Hohenlohe gehörte mit dem Erbprinzen Ernst von Hohen-lohe-Langenburg und dem Prinzen Max von Baden zu einer Gruppesüddeutscher Aristokraten, die jeder in seiner Weise eine Rolle in unserempolitischen Leben gespielt haben. Von diesen drei Herren war AlexanderHohenlohe der begabteste. Er war ein guter Verwaltungsbeamter, er würdeeinen guten Gesandten und Botschafter abgegeben haben. Er vereinigtevornehme Gesinnung mit freiem Blick und offenem Kopf. Mein Wunsch,ihn im diplomatischen Dienst zu verwerten, scheiterte an dem Widerspruchdes Kaisers, der Alexander Hohenlohe nie gemocht hatte und ihn später,als er die Veröffentlichung der Denkwürdigkeiten seines Vaters nicht ver-hinderte, ganz und heftig en grippe nahm. Prinz Max von Baden erweckteallerlei Hoffnungen, enttäuschte aber alle, als er auf eine ernste Probegestellt wurde. Als Wilhelm II. die unglückliche Idee hatte, diesen char-manten Dilettanten, noch dazu in einem unendlich schwierigen Augenblick,zum Reichskanzler zu erwählen, war ein fürchterliches Fiasko unvermeid-lich. Max von Baden war nicht derVerräter" noch derSchurke", alsden ihn seit den trüben Novembertagen 1918 der nun einmal starke Aus-drücke liebende Kaiser hinstellte. Aber er gehörte zu den Leuten, die, inkritischer Stunde gewogen, zu leicht befunden werden. Der politisch un-brauchbarste der drei genannten Aristokraten war der damalige ErbprinzErnst von Hohenlohe-Langenburg, der genügte, solange er als Regent vonSachsen-Koburg-Gotha (von 1900 bis 1905) es dabei bewenden ließ, die