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1 (1930) Vom Staatssekretariat bis zur Marokkokrise
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NICHT GEGEN RUSSLAND VORSCHIEBEN LASSEN

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genügend zuverlässigen, jedenfalls von englischen Gedankengängen be-herrschten und insbesondere von England finanziell abhängigen Eckard-stein nach Berlin verlegt werden möge. Wenn die englische Regierungetwas von uns wolle, so möge ihr amtlicher Vertreter in Berlin an uns heran-treten. Erörterungen von solcher Tragweite könnten unmöglich lediglichdurch die Vermittlung eines jungen Sekretärs gehen, dessen Berichte unddessen ganzes Verhalten gar zu sehr darauf hindeuteten, daß sein Charakterebenso fragwürdig wäre wie seine finanzielle Integrität. Auffällig sei dieneuerdings aus allen Eckardsteinschen Telegrammen hervorgehendeTendenz, uns Angst zu machen vor einem plötzlichen Rückzug der Eng-länder aus dem nördlichen Ostasien unter Preisgabe aller dortigen bri-tischen Interessen. Unterstützt durch die britische Flotte, wären die Japaneraugenblicklich den Russen in Ostasien entschieden überlegen. Das Bestre-ben, uns für englische Zwecke gegen Rußland vorzuschieben, sei bei derTientsin-Angelegenheit sehr deutlich zutage getreten. Bei dem Man-dschurei-Abkommen hätte Lansdowne die Miaotao-Inseln als von Rußland beansprucht erwähnt, während in dem Telegramm des englischen GesandtenSatow dieser den Zugang zum Golf von Petschili beherrschenden Insel-gruppe mit keinem Wort Erwähnung geschehe. Der damalige Dezernentfür England , der seit jeher anglophile Prinz Lichnowsky, der spätere Bot-schafter in London , faßte seine Ansicht am Schlüsse eines Promemorias indie Worte zusammen:Angesichts ihrer Lage in Südafrika, des momentanschwierigen Standes ihrer Finanzen, der Zwangslage, in der wir uns durchdie Entsendung des Grafen Waldersee befinden, der antirussischen Aus-lassungen und Reden Seiner Majestät in England und der in London genaubekannten, durch solche kaiserliche Reden hervorgerufenen ungünstigenStimmung für uns an der Newa wäre es geradezu naiv, wenn die englischenStaatsleiter nicht versuchen wollten, uns, ohne sich selbst zu engagierenoder gar ernstlich zu binden, gegen Rußland vorzuschieben."