den hohen Orden vom Schwarzen Adler mit Brillanten und das spanischeGoldene Vlies, den russischen Andreasorden mit Brillanten und den öster-reichischen Stefansorden mit Brillanten, den italienischen Orden von derHeiligen Verkündigung, den Annunziatenorden und den sehr edlen portu-giesischen Orden vom Turm und Schwert, den dänischen Elefanten- undden schwedischen Seraphinenorden, den bayrischen Hubertus und diesächsische Baute, türkische und japanische, chinesische und siamesischeOrden, alle, alle. Nachdem ich die allererste Jugend hinter mir hatte, ver-langte ich so wenig nach Orden, Ordenssternen und -ketten, wie es denKonditor nach Bonbons und Konfitüren gelüstet. Ich habe, wenn nichtCourtoisie gebot, zu Ehren eines ausländischen Gastes einen fremden Ordenanzulegen, nie einen anderen Stern getragen als den des Schwarzen Adler-ordens . Aber als alter und erfahrener Mann, der die Welt kennt und dieMenschen, ihre Schwächen und Fehler und Triebe, sage ich: Das Verbot derOrden und Uniformen durch die Weimarer Verfassung ist ein weitererBeweis dafür, daß es dem Herrn Dr. Hugo Preuß, dem Vater unserer republi-kanischen Staatsverfassung, an Menschenkenntnis wie an Weitläufigkeitfehlte. Er gab damit von vornherein die Möglichkeit aus der Hand, maß-gebende Ausländer zu erfreuen und sie zu gewinnen. Dieser triste deutscheSolon ist auch schuld daran, daß seit dem Novemberumsturz zwischenseinen uniformierten und dekorierten Kollegen der deutsche Vertreter imFrack und ohne Orden dasteht wie das Aschenbrödel unter seinen festlichgekleideten Gespielinnen. Die französische Bepubbk hat sich wohl gehütet,eine solche Dummheit zu begehen. Sie hat weder Uniformen noch Ordenabgeschafft. Die Aussicht auf das rote Bändchen und gar auf die Bosetteder Ehrenlegion belebt im Inland Patriotismus und Ehrgeiz des Durch-schnittsfranzosen. Gegenüber dem Auslande war und ist die Verleihung derLegion d'honneur für die französische Propaganda ein bewährtes Mittel, in derWelt Sympathien für Frankreich zu erwecken und französische Gesinnungzu belohnen. Hiermit schließe ich diese Parenthese, zu der ich durchdie nachteiligen politischen Folgen veranlaßt wurde, die bei der Monarchen-zusammenkunft von Heia die ungeschickte Behandlung des russischen Ministers des Äußern in einer Ordensangelegenheit hatte. Ich betone nocheinmal, daß ich die Abneigung verstehe, mit der ein jedem Deutschen teurerDichter auf die Fürstenrät' und Hofmarschälle blickt, die mit kühlemStern auf kalter Brust nicht an Geisterstimmen glauben. Aber der Staats-mann muß auch mit den Schwächen und Kleinlichkeiten der Menschenrechnen, er soll auch sie für das Beste des Landes verwerten. „II faut fairefleche de tout bois", sagte einmal Fürst Bismarck zu Kaiser Friedrich ,dem edlen Idealisten, der darüber klagte, daß die Politik manchmal auchdie weniger schönen Triebe der Menschen für ihre Zwecke benutzt.
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