DER HAKATISTEN-VEREIN
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der, ohne seine Nationalität zu verleugnen, während des ganzen Welt-krieges seine Pflicht als preußischer Offizier, als Schloßhauptmann vonPosen und als Mitglied des Herrenhauses erfüllte, erzählte mir mit Er-staunen, er habe im Sommer 1914 konstatieren müssen, daß Korfanty ,der von unseren Militärbehörden nicht ohne Grund als verdächtig vigiliertwurde, auf der Reichskanzlei von Exzellenz Wahnschaffe und einen Stockhöher vom Reichskanzler Bethmann Hollweg mit Auszeichnung und Ver-trauen behandelt wurde.
DerVorsitzende des Deutschen Ostmarkenvereins , Herr vonT i edemann-Seeheim, schrieb am Tage nach meiner großen Polen -Rede, am 14. Januar,an den Chef der Reichskanzlei, Conrad: „Mit großer Freude habe ich wahr-genommen, wie es dem Reichskanzler gelungen ist, sich in immer steigendemMaße die Sympathien des preußischen und des deutschen Volkes zu er-werben! Ich verkehre in so vielen Volksschichten, daß ich mich in dieserWahrnehmung nicht täusche. Gestern ist es nach meiner innersten Über-zeugung dem Reichskanzler beschieden gewesen, sich das unbedingte Ver-trauen der deutschen Volksseele zu erobern. Bülow hat einen in seinen Folgennicht hoch genug zu veranschlagenden Erfolg errungen: er hat der Welt ge-zeigt, daß er das diffizile Roß der inneren Politik ebenso sicher wie geschicktzu reiten versteht! Der führende Staatsmann kann nur Großes leisten,wenn er sich der freudigen Zustimmung der guten und loyalen Elementeseines Landes gewiß weiß. Dieser Überzeugung kann der Reichskanzlernunmehr getrost leben! Daß der von ihm vorgezeichnete Weg zur Lösungder Ostmarkenfrage der richtige ist, der auch zweifellos zum Siege führenmuß, brauche ich Ihnen gegenüber, der Sie ein Sohn unserer Ostmark sind,wahrlich nicht hervorzuheben." Der preußische Gesandte in München meldete am gleichen Tage: „Graf Crailsheim äußerte heute zu mir, die ein-drucksvolle Art und die Entschiedenheit, mit der von Eurer Exzellenz dieWreschener Interpellation erwidert wurde, habe er nur freudigst begrüßenkönnen. Die Polen seien unverbesserlich, und je energischer die preußischeRegierung den Polonisierungsbestrebungen in der Ostmark entgegentrete,um so größere Verdienste erwerbe sie sich um Deutschland . Übrigens seiihm, dem Minister, die Nuancierung keineswegs entgangen, mit der EureExzellenz des Verhaltens unserer beiden Nachbarn gedacht hätten. Dasschlaffe Österreich , wenn man überhaupt noch von einer k. k. Regierung inGalizien reden könne, hätte selbst über eine härtere Sprache unsererseitsnicht klagen können. Gleiche Genugtuung wie der Minister empfinden allehiesigen nationalen Elemente. Die liberale Presse sorgt in anerkennens-werter Weise weiter für Richtigstellung der von pohlischer Seite verbreitetenMärchen. Gleichzeitig wird erneut auf die fortgesetzte Mißhandlung dernichtpolnischen Majorität Galiziens durch die Schlachta hingewiesen und