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Der Kaiser hatte schon als junger Prinz in dem gastfreundlichen Krupp-schen Hause verkehrt und interessierte sich lebhaft für die gewaltigenKruppschen Unternehmungen. Er erschien zur Beisetzung des Toten undhielt bei diesem Anlaß eine Ansprache, die seinem Sinn für Freundschaftund seinem warmen, edlen Herzen nur Ehre machte, die aber für einenMonarchen zu maßlos, zu heftig war. Sein Großvater würde auch in seinenjungen Jahren nicht so gesprochen haben. Dazu kam, daß es der Kaisernicht bei diesem einen, ich wiederhole es, an und für sich durchaus berech-tigten Ausbruch seiner Entrüstung bewenden ließ, sondern acht Tagespäter in Breslau an eine Abordnung von Arbeitern, die zu diesem Zweckezu ihm geführt worden war, noch leidenschaftlichere Worte richtete. Trotz-dem wäre ich durchaus bereit gewesen und gern bereit gewesen, geradediese Rede Seiner Majestät vor dem Reichstag gegenüber der Sozialdemo-kratie zu vertreten. Hatte doch der Kaiser in diesem Fall nicht andersgehandelt als der barmherzige Samariter im Evangelium, den des Mannesjammerte, der unter die Mörder gefallen war, der ihm seine Wunden ver-band und öl und Wein dareingoß, während der Priester und der Levit kühlvorübergingen. Leider schnitt der Reichstagspräsident Ballestrem in besterAbsicht, weü er, wie er seinen Entschluß begründete, eine Diskussion überden tragischen Tod eines untadligen Ehrenmanns nicht zulassen wollte,von vornherein jede Berührung dieser Angelegenheit ab. So wurde eineGelegenheit versäumt, wo dem Lande das niedrige Verhalten der angeblichvon idealen Gesichtspunkten geleiteten Sozialdemokratie in seiner Brutali-tät wie in seiner Heuchelei klargelegt werden konnte, während das tempe-ramentvolle und warmherzige Vorgehen des Kaisers ihm vielfach als neuerBeweis mangelnder Selbstbeherrschung verargt wurde.