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1 (1930) Vom Staatssekretariat bis zur Marokkokrise
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DIE PERSÖNLICHEN KUNDGEBUNGEN

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Erzbischof von Bamberg zu werden. Dem stand leider im Wege, daß er indem Ruf stand, zu großes Gefallen an den weiblichen Hilfskräften der vonihm frequentierten Wirtschaften zu finden. Nun hat Horaz bekanntlichgesungen:

Ne sit ancillae tibi amor pudoriXanthia Phoceu.

Aber was für den lockeren Zögling der Kamönen zutraf, das paßte sichnicht für einen Prälaten. Schädler gab darum nicht die Hoffnung auf, denBischofsstuhl der Stadt zu besteigen, wo Heinrich der Heilige und diefromme Kunigunde ruhen. Zu diesem Zweck machte er dem ReichskanzlerHohenlohe eifrig den Hof, der als Altersgenosse und langjähriger Freund desPrinzregenten Luitpold Einfluß auf diesen besaß. Als die Gemahlin desFürsten Chlodwig Hohenlohe, die Fürstin Marie Hohenlohe , starb, erbotsich der Domdekan Schädler, ihr die Leichenpredigt zu halten. Diese warsehr schön und sehr schwungvoll. Schädler erinnerte an den Wappen-spruch des Hauses HohenloheEx flammis orior". Wie der Phönix aus derFlamme, werde die Fürstin Marie aus dem Grabe emporsteigen, ihr hoherGemahl aber möge sich sagen, daß er auch die schwerste Prüfung über-winden müsse für das deutsche Volk, dessen Stütze und Hoffnung er wäre,für alle Wohlgesinnten, die vertrauensvoll zu ihm emporbhcken. Als nunkaum vier Jahre später der greise Fürst seiner Gemahlin in den Tod folgte,baten die Kinder, die sehr an ihren Eltern hingen und von der ersten Lei-chenrede des Domdekans Schädler sehr erbaut gewesen waren, ihn, auchdem Vater den Leichensermon zu halten. Schädler entzog sich nicht ihremWunsch, hielt aber eine Leichenpredigt, die mehr eine Strafpredigt war.Er hatte nichts mehr von dem Fürsten Chlodwig zu erwarten, so rückte erihm denn alle seine Sünden vor, namentlich aber die ablehnende Haltung,deren sich der alte Fürst zweiunddreißig Jahre früher gegenüber demUnfehlbarkeitsdogma schuldiggemacht hatte. Nicht das Paradies, sonderndas Fegefeuer wurde ihm in Aussicht gestellt. Schließlich ist, nebenbeigesagt, Schädler gestorben, ohne Erzbischof von Bamberg zu werden. Alser sich am 19. Januar 1903 breit und übermütig auf der Tribüne des Reichs-tags aufpflanzte, sagte mir der bayrische Gesandte, Graf Hugo Lerchenfeld, 1mit der Derbheit seines kernigen Stammes:So einen nennen wir bei unsin Bayern einen Saupfaffen."

In meiner Antwort auf die Angriffe von Schädler, die deshalb wenigerEindruck machten, weil seine Entrüstung sichtlich gespielt war, entwickelte Erklärungenich zum erstenmal meine Stellung hinsichtlich der Reden, Äußerungen und Bülows zu derHandlungen des Kaisers*. Ich wies darauf hin, daß die durch die Gegen- De P cscne

* Fürst Bülows Reden, Große Ausgabe I, S. 385; Kleine Ausgabe II, S. 197.