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1 (1930) Vom Staatssekretariat bis zur Marokkokrise
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VERGLEICH MIT FRIEDRICH DEM GROSSEN

leider geschehen noch viele Attentate, wie zum Beispiel beim König Humbert(,I1 a ete tue, cruellement tue!'). Aber auch in geistiger Beziehung sei mitdem Bösen zu kämpfen, und man müsse die Beligion dagegen verteidigenund stärken. Er wisse, daß Ich Mich mit religiösen Fragen viel beschäftige,zumal was die Bibelforschung betreffe, es werde Mich interessieren zu er-fahren, daß er eine Kommission habe zusammentreten lassen zur Neu-erforschung der Bibel. Die Bibliothek und alle Archive seien ihr geöffnetund zum Beweis dessen, wie hoch er deutschen Forschungsgeist und deutsche Wissenschaft schätze, erwähnte er, daß elf Deutsche mit in die Kommissionhineinberufen seien. Er habe überhaupt in den letzten Tagen viel mitDeutschen zu tun gehabt. Er habe mehrere Pilgerzüge von Deutschen,darunter 2000 aus Köln allein, zu empfangen die Freude gehabt, habe sichgefreut über ihre gläubige und andächtige Haltung. Eine Anzahl deutsche Bischöfe seien anwesend, denen er befohlen habe, sich Mir vorzustellen,kurzum, er sei von Deutschen umgeben und sei in der letzten Zeit beinaheein halber Deutscher geworden (,Je suis devenu presque un demi Allemand').Ich: Ich freute Mich, daß die Frömmigkeit Meiner Untertanen und Lands-leute ihm angenehm aufgefallen sei, und könnte ihm versichern, daß gewißdie deutschen Katholiken die rebgiöscsten und in deutscher Treue ihm er-gebensten Söhne der Kirche seien. Er: Nicht nur mit Karl dem Großenwolle Er Mich vergleichen, sondern Ich schiene ihm auch den BahnenMeines großen Ahnen Friedrich II. zu folgen. Als er jünger gewesen, habeer eifrig des Königs Leben studiert und eine große Bewunderung für denFlug seines Geistes sowie für die Größe seiner Auffassungen religiösenGemeinschaften gegenüber gehegt; er habe stets gut für die Interessen seinerkatholischen Untertanen gesorgt, denn als er Schlesien erobert habe, habeman dort große Sorge gehabt, es werde den Katholiken schlecht gehen.Aber nichts von alledem. Der König habe in großherziger Weise den Katho-liken die Ausübung ihrer Beligion gewährleistet und für ihr Wohl Sorgegetragen, und was dieser große Mann getan habe, das tue auch Ich, unddaher wolle er Mich auch mit Friedrich dem Großen vergleichen. Er müsseallerdings zugeben, daß König Friedrich II. persönlich in puncto religionisnicht gerade überwältigend gläubig gewesen sei (,I1 etait peu croyant').Um so höher müsse man es einschätzen, daß der König trotzdem so vielfür die Erhaltung der Bebgion und dabei auch für die katholische Kirche getan; er hoffe, Ich würde auch in dieser Hinsicht diesem guten Beispielfolgen. Ich: Seine Heiligkeit verwöhnten Mich, und vor all dem Lob müsseIch verlegen werden; Ich würde jedenfalls seinem guten Bäte folgen. WennIch noch einmal auf seinen Vergleich mit Karl dem Großen und seinerMission zurückkommen dürfe, so gestattete Ich Mir die Bemerkung, daßdas große Weltimperium des Bömischen Beiches, das auf Leos III. Geheiß