DAS KREUZ
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sich persönlich vertreten lassen wolle. Es würde nicht nur Metz, sonderndem ganzen Reichslande zur Auszeichnung gereichen. Er: Er sei außer-ordentlich geschmeichelt, halte das für eine vorzügliche Idee und werdedas Breve sofort ausfertigen lassen. Er bitte um das Datum der Einweihung.Ich: Ich dankte herzlich für die große Freude, die Seine Heiligkeit Meinenkatholischen Untertanen in Elsaß-Lothringen bereiten würde. Er: Vorallem läge ihm daran, Mir mitzuteilen, welchen unauslöschlichen EindruckMeine Rede in Aix la Chapelle ihm gemacht habe; sie hätte ihm eine un-geheure Freude bereitet. In der Zeit, wo die meisten Souveräne Europas schwach, furchtsam oder religiös gleichgültig seien, habe es seinem Herzenbesonders wohlgetan, daß der Deutsche Kaiser sich, sein Haus und dasganze große Kaiserreich unter das Kreuz gestellt habe, unbekümmertdarum, was die moderne Welt in ihrer Kreuzesscheu dazu sagen werde.Das sei die Art und Weise, wie der Monarch eines großen Landes sprechenmüsse, und das seien Grundsätze, welche er allen Meinen Kollegen nurempfehlen könne. Er wolle noch hinzufügen, nicht um Mir Schmeicheleienzu sagen, es gäbe nur einen Souverän, der ebenso gedacht und gehandelthabe, und das sei Karl der Große . Das sei der große Herrscher, der gleichsamim Auftrage Gottes die ganze damals zivilisierte Welt unter das Kreuz ge-beugt habe und dem die Mission dazu vom damaligen Papst Leo III. erteiltworden sei. Nun bei dem Uberdenken Meiner Rede sei ihm ein Traum er-schienen, das sei der, daß der jetzige Deutsche Kaiser gleichsam von ihm,Papst Leo XIII., die Mission erhielte, den sozialistischen und atheistischenIdeen entgegen Europa wieder zum Christentum zurückzubringen. Erwisse sehr wohl, daß Europa in Nationen und Länder gegliedert sei undpolitisch nicht unter einem Zepter vereinigt werden könne, aber in geistigerBeziehung könne der Kaiser des Deutschen Reiches durch Beispiel, durchEinfluß und Ermahnung wohl dahin wirken, daß diese Länder sich wiederdem Christentum und der Kirche zuneigten. Ich: Mit Freuden würde ichdie Mission, die Mir der Papst gewissermaßen in Aussicht stelle, überneh-men und mit ungeschwächten Kräften durch Wort und Tat dahin wirken,daß allmählich unter Fürsten und Völkern sich die Überzeugung Bahnbrechen müsse, daß alle Macht, alle Entwicklung und alle Herrlichkeitnichts nütze, wenn sie nicht fuße auf der Person des Heilands und demKreuze. Daß ein dreiundneunzigjähriger Papst einem so jungen Herrscher,wie Ich es sei, solch erhebende Worte zugerufen habe, werde Mich für Meinganzes Leben mit Stolz erfüllen, und Ich hoffe, daß er einmal nicht nurkeinen ungelehrigen Schüler an Mir finden werde, sondern auch, daß ihmGott Leben und Gesundheit schenken möge, um Mich in Meinen Anstren-gungen zu unterstützen und die Erfolge des Zusammenwirkens von Kaiserund Papst zu erleben. Er: Das Böse mache sich in der Welt sehr breit;