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2 (1930) Von der Marokkokrise bis zum Abschied
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UNTER VIER AUGEN

anerkannt worden wäre, und beglückt in der Gewißheit, daß der DeutscheKaiser das gleiche Ziel im Auge habe.Möchten unsere beiden Flaggen bisin die fernsten Zeiten, ebenso wie heute, nebeneinander wehen zur Aufrecht-erhaltung des Friedens und der Wohlfahrt, nicht allein unserer Länder,sondern auch aller anderen Nationen." Mit einem Hinweis auf die unvergeß-liche Königin Victoria , deren Andenken dem Sohn und dem Enkel gleichheilig sei, erhob der König sein Glas auf das Wohl der deutschen Majestäten.Nach einem Frühstück, das am nächsten Tage an Bord der SegeljachtUnterredungMeteor" stattfand, zog mich der König in ein fast einstündiges GesprächEduards VII. unter vier Augen. Es ist falsch, wenn später hier und da verbreitet wordenmit Bülow j gt ^ j cn n g tte b e j di esem Anlaß dem König eine Allianz zwischen Deutsch-land und England vorgeschlagen. Niemand kann mir ernstlich die Takt-losigkeit zutrauen, die dazu gehört hätte, dem König von England nacheinem Luncheon, ex abrupto eine solche Proposition zu machen, nachdemdie Allianzverhandlungen zwischen uns und England einige Jahre früheran dem Widerstand des damaligen englischen Premierministers und an demUnverstand der deutschen öffentlichen Meinung gescheitert waren. DerKönig kam bei jenem Gespräch auf demMeteor" zunächst auf Ostasien zu reden.Die Russen", sagte er mir,haben sich ihr Mißgeschick selbstzuzuschreiben. Ihre Diplomatie war ebenso ungeschickt, wie es jetzt ihreKriegführung zu Wasser und zu Lande ist. Die Japaner machen sich injeder Richtung ausgezeichnet. Sie sind auch moralisch im Recht, Rußland hatte weder Befugnis noch Anlaß, nach Port Arthur zu gehen. Es hat inKorea gar nichts zu suchen und hat die Mandschurei den Chinesen in bru-taler Weise entrissen." Der König erzählte mir hierbei, daß Rußland, wennes auf ihn gehört hätte, um den Krieg herumgekommen wäre.Ich habe",führte er aus,Ende November dem damals in Spala weilenden KaiserNikolaus die maßvollen Bedingungen übermittelt, unter denen Japan zueiner Verständigung mit Rußland bereit gewesen wäre. Kaiser Nikolaus hat die Antwort auf diese Vorschläge zu lange hinausgeschoben, woranallerdings auch der Tod der kleinen Prinzeß Elisabeth von Hessen mitschuld war, der ihn sehr impressionierte. Die Japaner haben immer wieder-holt, daß, wenn Rußland nicht bald eine Antwort gebe, sie ihre kriegslustigeöffentliche Meinung nicht länger zügeln könnten. Als sich der Zar endlichentschloß, die japanischen Vorschläge anzunehmen, war es zu spät. Dieleitenden japanischen Männer harten sich inzwischen für den Krieg ent-schlossen." König Eduard machte kein Hehl daraus, daß er ein baldigesEnde des ostasiatischen Krieges wünsche und zu diesem Zweck bald seineVermittlung eintreten lassen möchte. Die Japaner würden kidant sein.Als ich einwarf, daß Rußland nach solchen Niederlagen ohne schwereErschütterung seines Prestiges kaum Frieden schließen könne, bemerkte